Gastro-Kritik

Die perfekte Schweinshaxe - aber bitte ohne Beilagen!

In der "Haxe" in Prenzlauer Berg ist immer Oktoberfest. Dirndl und Kitsch inklusive.

Tina Hüttl
3 Min
Die imposanten Haxen kosten zwischen 12,90 und 14,50 Euro bei "Zur Haxe", Suppen und Kleinigkeiten 3,90–6,50 Euro, Hauptgerichte 8,50 bis 14,90 Euro.

Die imposanten Haxen kosten zwischen 12,90 und 14,50 Euro bei "Zur Haxe", Suppen und Kleinigkeiten 3,90–6,50 Euro, Hauptgerichte 8,50 bis 14,90 Euro.

© Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Seit vergangener Woche überlege ich, sie stattdessen nach Berlin einzuladen. Ich war im Restaurant Zur Haxe essen. Hopfendoldendeko, Lederhosen und Dirndl, alles da, vor allem aber eine viel bessere Schweinshaxe, als ich sie jemals auf dem Oktoberfest gegessen habe.

Beliebt bei Exilbayern

Andere Exilbayern, die ihre Heimat mehr als ich vermissen, hatten mir schon oft von der Gaststätte in Prenzlauer Berg erzählt, die mittlerweile im 11. Jahr existiert. Dort gebe es nicht nur die beste Kruste, so krachend, dass man Ohrstöpsel brauche, sondern auch Schweins-, Schinken- und Lammhaxen in der Größe von Tennisschlägern.

Was auch immer davon wahr sein würde, für mich klang es nach viel Fleisch. Zu viel Fleisch.

Kitsch-Hölle und Lederhosen

Letzte Woche war ich schließlich doch da. Auf die Schweinshaxe mit Klößen und nicht Knödeln, wie sie hier auf der Karte angeboten wird und ich sie bestellte, war ich vorbereitet. Nicht jedoch auf die Atmosphäre und Optik des Restaurants. In puncto bayerischer Deko ist man ja einiges gewöhnt, und auch so ein Oktoberfestzelt ist heute alles andere als schön und authentisch. Doch dass so eine Kitsch-Hölle mit falschen Blumenkränzen und Efeuranken, Häkeldeckchen, Kräuterhexen und Steingutkrügen mitten in Prenzlauer Berg funktioniert, hatte ich nicht erwartet.

Das "Zur Haxe" in Prenzlauer Berg.

Das "Zur Haxe" in Prenzlauer Berg.

© Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Natürlich steckt auch der Service in Tracht. Mein Kellner trug seine kurze bayerische Krachlederne zum langen Rauschebart. Mir schien, völlig ironiefrei und mit einer angenehmen Mischung aus Stolz und Freude, was ihn nicht davon abhielt, ordentlich zu berlinern. Über ihn muss ich sagen: Ich bin noch nie – weder in München oder gar Berlin – so gut und so fröhlich wie hier bedient worden.

Schweinshaxe unmöglich allein zu schaffen

Nun aber zur Schweinshaxe, die tatsächlich wunderbar ist. Nicht tennisschlägergroß, aber auf jeden Fall unmöglich alleine zu schaffen. Zuerst erwähnen will ich die fantastische Kruste, die sich rundum zieht und von der hier ich zum ersten Mal genug bekomme. Daumendick und schön salzig ist sie, und sie kracht wirklich beim Kauen. Unter der Schwarte verbirgt sich saftiges, weiches Fleisch, das wie von selbst vom Knochen fällt, gutgewürzt, aber ohne strenges Schweinefleisch-Aroma.

Umso unverständlicher sind allerdings die Beilagen. Wer die Schweinshaxe so perfekt braten kann, der müsste doch auch eine vernünftige Soße aus dem Knochen- und Fleischsaft hinbekommen! Der tropft ja ohnehin beim Braten von selbst herunter. Wer dann noch etwas Röstgemüse wie Möhren, Sellerie oder Zwiebel mit in die Form gibt und hier und da den Braten mit etwas Bier übergießt, bekommt eine herrliche Schweinsbratensoße.

Mondamin-Soße und Sauerkraut-Pampe


Zur Haxe

Erich-Weinert-Straße 128, 10409 Berlin, Tel.: 421 63 12, Mo–Fr 16–0, Sa/So 12–0 Uhr, Küchenschluss 23 Uhr.


Hier jedoch ist sie nichts weiter als dunkelbraun gefärbtes und mit reichlich Mondamin abgebundenes Wasser. Nicht das kleinste Fitzelchen Röstaroma oder echtes Fett ist zu schmecken. Ebenso ist das als Sauerkraut deklarierte Gemüse eine viel zu grobe, mit Mehl und Essig zusammengeklebte Pampe, die völlig unpassend Karottenstreifen enthält.

Ein bisschen besser, wenn auch nicht überzeugend, sind die Klöße: Kochbeutelware, aber immerhin mit in Butter angeschmelzten Bröseln bedeckt. Wäre die Haxe nicht so verdammt gut, ich könnte das Restaurant eigentlich nicht empfehlen. Aber sie ist einen Besuch wert.

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