Die radikalislamische Hamas hat eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Wochen den Überblick über den Verbleib vieler aus Israel entführter Geiseln verloren. Das Schicksal vieler Geiseln sei mittlerweile „unbekannt“, sagte der Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas, Abu Obeida, am Sonntag in einer Fernsehansprache. „Höchstwahrscheinlich“ seien viele von ihnen kürzlich getötet worden, „der Rest“ sei ständig „in großer Gefahr“. Die Regierung und Armee Israels trügen die „volle Verantwortung“.
Obeida erklärte zudem, Verbündete der Hamas von der „Achse des Widerstands“ hätten angekündigt, ihre Angriffe gegen Israel auszuweiten. Der „Achse des Widerstands“ gehören neben der Hamas auch die Huthi-Rebellen im Jemen und die libanesische Hisbollah-Miliz an.
Am 7. Oktober hatte die Hamas einen brutalen Überfall auf Israel gestartet und 1140 Menschen getötet sowie rund 250 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. 132 von ihnen befinden sich nach israelischen Angaben noch im Gazastreifen, allerdings sind 25 von ihnen vermutlich tot.
Als Reaktion auf den beispiellosen Hamas-Überfall hatte Israel der islamistischen Palästinenserorganisation den Krieg erklärt und einen massiven Militäreinsatz im Gazastreifen gestartet. Nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dort seither fast 24.000 Menschen getötet.
Hamas-Chef: Israelische Geiseln kommen nur zu „Bedingungen“ der Hamas frei
Israel nimmt Schwestern von getötetem Hamas-Vizechef al-Aruri fest
Wie ebenfalls am Sonntag bekannt wurde, haben israelische Soldaten im besetzten Westjordanland zwei Schwestern des im Libanon getöteten Vizechefs der radikalislamischen Hamas, Saleh al-Aruri, festgenommen. Die israelische Armee erklärte, die beiden Frauen seien festgenommen worden, weil sie zu „Terrorismus gegen den Staat Israel“ aufgerufen hätten. Einzelheiten nannte die Armee nicht. Der Schwager des Hamas-Vizechefs, Auad al-Aruri, sagte, die zwei Frauen und mehrere andere Familienmitglieder seien in israelische Verwaltungshaft genommen worden.
Der Verein palästinensischer Gefangener erklärte, die 52-jährige Dalal al-Aruri und die 47-jährige Fatima al-Aruri seien an verschiedenen Orten in der Nähe von Ramallah festgenommen worden. Fatima al-Aruris Sohn Mohammed Sakr sagte, seine Mutter sei vor Tagesanbruch bei einem Armeeeinsatz in ihrem Wohnviertel festgenommen worden.
Saleh al-Aruri war ein wichtiger Militärstratege der Hamas
Al-Aruri und sechs weitere Hamas-Vertreter waren am 2. Januar bei einem Israel zugeschriebenen Angriff in einem Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut getötet worden. Der 57-Jährige galt als wichtiger Militärstratege der Hamas und als einer ihrer Anführer im Westjordanland. Israel macht ihn für die Planung zahlreicher Anschläge verantwortlich. Auch an der Planung des Angriffs auf Israel am 7. Oktober soll er beteiligt gewesen sein.
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