Nach Aufforderungen zur Evakuierung hunderttausender Menschen ist das israelische Militär in Rafah im Süden des Gazastreifens weiter vorgerückt. Augenzeugen berichteten von Luftangriffen nahe dem Grenzübergang zu Ägypten.
„Unsere Operationen gegen die Hamas in Rafah bleiben begrenzt und konzentrieren sich auf taktische Vorstöße, taktische Anpassungen und militärische Vorteile und haben dicht besiedelte Gebiete gemieden“, sagte Armeesprecher Daniel Hagari in einer in der Nacht zum Sonntag verbreiteten Erklärung.
Rafah: Zahlreiche Menschen bereiten sich auf Flucht vor
In Rafah bereiteten sich am Wochenende zahlreiche Bewohner auf eine Flucht vor und stapelten Wassertanks, Matratzen und andere Habseligkeiten auf Fahrzeuge. „Wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen“, sagte Farid Abu Eida, der bereits aus der Stadt Gaza vor den Kämpfen nach Rafah geflohen war. Im Gazastreifen gäbe es keinen sicheren oder nicht völlig überfüllten Ort mehr.
Das israelische Militär rief die Bewohner auf, Gebiete im Osten und im Zentrum von Rafah „unverzüglich“ zu verlassen. Schon am Montag waren die Bewohner im östlichen Teil der Stadt zur Evakuierung aufgefordert worden. Den Angaben zufolge verließen seitdem 300.000 Menschen die Stadt in Richtung einer „humanitären Zone“ in der rund zehn Kilometer entfernten Ortschaft al-Mawasi an der Küste.
Israel: Die deutsche Staatsräson ist zuerst dem Grundgesetz verpflichtet
In der Grenzstadt zu Ägypten haben mehr als eine Million Menschen Zuflucht vor den Kämpfen gesucht. Das Kuwait-Krankenhaus in Rafah gab am Sonntag an, dass innerhalb von 24 Stunden die Leichen von 18 Menschen eingeliefert worden seien, die bei israelischen Angriffen auf die Stadt ums Leben gekommen seien. Auch mehrere Verletzte seien aufgenommen worden.
EU-Ratspräsident Charles Michel nannte die israelischen Aufrufe zur Evakuierung „inakzeptabel“. Im Onlinedienst X rief er die israelische Regierung auf, „das humanitäre Völkerrecht zu respektieren“ und „keine Bodenoperation in Rafah durchzuführen“. Der britische Außenminister David Cameron sagte im Sender Sky News, für eine größere Offensive in Rafah müsse Israel einen „klaren Plan“ für den Schutz der Zivilbevölkerung vorlegen.
Gefechte auch im Norden des Gazastreifens
Auch im Norden des Gazastreifens liefern israelische Streitkräfte sich weiter Gefechte mit bewaffneten Palästinensern. Der militärische Arm der Terrororganisation Hamas berichtete am Sonntag von Zusammenstößen seiner Kämpfer mit israelischen Soldaten im Bereich von Dschabalia.
Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari hatte am Samstagabend gesagt, Kampfflugzeuge hätten Ziele in Dschabalia im Norden des Gazastreifens angegriffen, nachdem die Zivilbevölkerung dort evakuiert worden sei.
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