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Geboren in Gera, gefeiert in England: Eine Ausstellung zu Ehren des Künstlers Karl Weschke

Karl Weschke malte die Urgewalten der Natur – und die Stille dahinter. Anlässlich seines 100. Geburtstages zeigt die Kunstsammlung Gera seine beeindruckenden Werke.

5 Min
Ausstellung in Gera

Ausstellung in Gera

© privat

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Cape Cornwall im Westen Englands ist eine besondere Landschaft, erhaben durch die Brisons, die Felsen, die der stürmische Atlantik umgibt. Der richtige Ort für einen Künstler, der das Monumentale, Raue und die Einsamkeit sucht.

Nach London und Schottland fand Karl Weschke hier eine Heimat, die seiner Gefühlslage entsprach. Täglich war er dort mit existenziellen Situationen konfrontiert, mit der Gewalt und Kraft der Elemente. Von seinem Haus aus konnte er auf den Atlantik schauen und auf den Himmel, der an der fernen Horizontlinie das Meer berührt. Nichts ist dazwischen.

Die ungeheure Kraft der See ist auf seinen Bildern zu spüren, das Heranrollen der Wellen, einem kosmischen Rhythmus folgend. Die leeren Räume interessierten ihn, das Leben unter einem schwarzen Himmel.

Auf dem großformatigen Gemälde „Objekt im Wasser“ (1985) ist es still und der Himmel reißt auf. Vor einer schroffen Felswand liegt etwas Regloses im Wasser. Weschke zeigt die Urgewalten, die an dieser Küste aufeinanderprallen. Ständig verändert sich die Stimmung zwischen höchster Spannung und Geborgensein. In den Räumen, die der Künstler schafft, ist die Stille ein entscheidender Impuls.

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht

© privat

Gefördert durch Alexander Wolfgang

Weschke hat in seiner Kindheit und Jugend selten den Zustand von Stille und Geborgenheit erlebt. Als Sohn einer Prostituierten und eines Anarchisten verbrachte er Jahre im Kinderheim.

Nach der Rückkehr zur Mutter waren die Besuche im Atelier von Alexander Wolfgang, dem Schwager von Otto Dix, ein Lichtblick. Der Maler unterstützte den begabten Jungen durch Hinweise und Korrekturen. Mit 17 Jahren bewarb er sich als Fallschirmjäger bei der Deutschen Luftwaffe und geriet 1945 in englische Kriegsgefangenschaft. Dort erfuhr er vom Tod des Vaters im Konzentrationslager.

Schon während seiner Zeit in mehreren Umerziehungslagern begann er sich intensiv mit Malerei und Bildhauerei zu beschäftigen. Nach seiner Entlassung heiratete er die Animationsfilmemacherin Alison de Vere. Während seines Kunststudiums in London wurde er Mitglied der Borough Group, die sich an den Ideen von David Bomberg orientierte. Weschke lernte den Meister nie kennen, wurde aber von der Kunstkritik mit seinem Stil in Verbindung gebracht.

David Bombergs „The Mud Bath“ von 1938

David Bombergs „The Mud Bath“ von 1938

© Rüdiger Wölk/imago

Mit Francis Bacon befreundet

Nach Aufenthalten in Schottland, Spanien und Schweden fand Weschke 1960 seinen Lebensort auf Cape Cornwall, wo sich künstlerischer Erfolg durch Einzel- und Gruppenausstellungen einstellte. Er hatte zu dieser Zeit mit verschiedenen Frauen drei Kinder, um die er sich liebevoll kümmerte. Wesentlich war für ihn die Freundschaft mit Francis Bacon.

Der Leiter der Kunstsammlung Gera, Holger Saupe, hat den Künstler zu Lebzeiten auf Cape Cornwall besucht. „Für mich war es ein großes Erlebnis“, erzählt der Kunsthistoriker. „Weschke war frei von Einordnungen in die Kunstgeschichte. Ich war erstaunt, welche Bildlösungen er gefunden hat.“

„Alter schwarzer Hund an einem grauen Tag“ (1987/88) ist ein fast monochromes Gemälde. Eingespannt in die dunklen Steinmauern steht eine schwarze Kreatur, deren Kopf mit dem Körper nahezu verschmilzt. Das als Objekt aufgefasste Wesen wird überspannt von einem trüben, bleiernen Himmel. Weschkes Hundedarstellungen haben, ähnlich wie die Akte, metaphorischen Charakter. „Nacktheit war für ihn die elementarste Form des Daseins“, sagt Saupe.

Weibliche Akte liegen in der von Größe und Einsamkeit geprägten Landschaft von Cornwall. Die erdigen Töne schaffen Zugehörigkeit und haben gleichzeitig etwas Rohes. Auf mehreren Bildern der Geraer Ausstellung begegnet der Betrachter Akten im geschlossenen Raum. Die Situation ist intim und trägt die Erfahrung einer engen Beziehung. Mit dem Triptychon „Frauen von Berlin“ (1970) erinnert Weschke an die Nachkriegszeit in Berlin, in der die Frauen schutzlos Vergewaltigungen und Prostitution ausgeliefert waren. „Das muss eine furchtbare Zeit gewesen sein, und ich habe seither mit vielen über ihre Erfahrungen als Vergewaltigungsopfer gesprochen“, erklärte Weschke.

Ägypten veränderte die Bildwelt des Künstlers neuerlich

Ägypten veränderte die Bildwelt des Künstlers neuerlich

© privat

Neue Farben nach der Ägypten-Reise

Die Palette des Künstlers verändert sich nach der ersten, lange ersehnten Reise nach Ägypten 1990. Der Himmel leuchtet Blau über sandfarbenen Felsen und der darin eingebetteten Architektur, die sich mächtig in der Umgebung behauptet. Die Grenzenlosigkeit der Wüste ist ihm verwandt mit der Landschaft Cornwalls, ihrer Macht und Zerstörungskraft. Weschke malt die tiefe Berührung, die ihn beim Betrachten erfasst hat. Für ihn bedeutete die Reise aber auch eine Rückkehr zu den Wurzeln der Zivilisation: „Ja, das hat mir die Vorstellung von der Wiege zur Zivilisation wirklich zu Bewusstsein gebracht.“

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Obwohl Weschke in Großbritannien in den Sammlungen vieler bedeutender Museen präsent ist, hat er in Deutschland kaum Bekanntheit erlangt. 2001 widmete ihm die Kunstsammlung Gera eine erste große Schau. Im Nachgang wurde er Ehrenbürger seiner Geburtsstadt. Die Ausstellung „Karl Weschke. Back in Town“ vereint die gesamte Breite seines Schaffens mit Gemälden, Zeichnungen und Grafik, die aus deutschen, englischen, österreichischen und schweizerischen Privatsammlungen stammen.

Doris Weilandt studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Alte Geschichte. Sie arbeitet als Journalistin, Autorin und Kunsthistorikerin.

„Karl Weschke. Back in Town“ - Sonderausstellung zum 100. Geburtstag, vom 26. Oktober 2025 bis 15. Februar 2026 in der Kunstsammlung Gera.

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