In der riesigen meterhohen Halle sieht es aus wie beim bekannten Möbelhändler. Auf Präsentierinseln stehen Möbel, in den hellen Holzregalen zeigt sich anmutig das Geschirr, reichlich Kundschaft wirft begehrliche Blicke darauf. Ganz normaler Kaufrausch, obwohl im Gebrauchtwarenkaufhaus NochMall in Reinickendorf ausschließlich Objekte mit Vergangenheit im Angebot sind.
Genau die und nichts anderes, gar Neues, wollen die Kundinnen und Kunden. Wie Lehramtsstudentin Jasmin Müller aus Mitte, die entzückt zwei himmelblaue Müslischalen zu je 1 Euro an die Kasse trägt. „Für mich muss nichts produziert werden“, erklärt die 25-Jährige ihre Kaufentscheidung überzeugt. Sie wisse, wie Verschwendung und Überproduktion in Ausbeutung enden. „Nicht mit mir“, sagt sie entschieden.
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Kundschaft mit starkem Umweltbewusstsein
Die Szenerie im NochMall-Gebrauchtwarenhaus der Berliner Stadtreinigung (BSR)
© Gerd Engelmann
Tausende von guten Stücken wie Kleidung, Gesellschaftsspiele, Haushaltsgeräte, selbst Smartphones und einzelnes Besteck ab 50 Cent das Stück warten auf den 2000 Quadratmetern auf ihre zweite Chance. Die kommt bestimmt, weiß Verkaufsleiterin Andrea Rügge. „Wir bieten echte Schätzchen wie ein Klavier für 121 Euro, die Weihnachtskrippe für 49 Euro, Golfausrüstungen für um die 49 Euro, selbst Fitnessgeräte.“
Sortiert und säubert in der NochMall die Bücher: Siggi Kern, 60. „Wir haben tolle Sachen im Angebot, täglich kommen neue Schätze rein.“
© Gerd Engelmann
Vor drei Jahren starteten sie und mittlerweile 36 Kolleginnen und Kollegen das Pilotprojekt bei der Berliner Stadtreinigung (BSR). Die Kundschaft sieht aus wie in jedem Kaufhaus, 20 bis 80 Jahre alt, mehr Frauen als Männer. „Alle mit starkem Umweltbewusstsein“, weiß Andrea Rügge. Das zeige sich auch an der regen Teilnahme in den kostenlosen Workshops zum Reparieren, Nähen und Umsetzen ungewöhnlicher Design-Ideen.
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Nachhaltigkeit boomt: Second Hand liegt im Trend
Erst durch genaues Hingucken lassen sich – manchmal! – leichte Gebrauchsspuren erkennen. Wie beim Sessel, dessen hölzerne Armlehnen vorne heller sind. Wie trennt man das Gute vom Schlechten? Mitarbeiter Hendrik Jung, der gerade ein orange-braunes Sofa sorgfältig absaugt, bringt die Entscheidungsformel auf den Punkt: „Wir akzeptieren nur, was wir selbst auch mit nach Hause nehmen würden.“ Bevor die Waren in den Verkauf gehen, werden sie gewaschen, abgewischt, ausgeschüttelt und eingehend beschnuppert. „Was nach Keller riecht, akzeptieren wir nicht.“
Hendrik Jung säubert die Möbel und Gegenstände, die in der NochMall zum Weiterverkauf abgegeben werden.
© Gerd Engelmann
Aber das meiste ist in sehr gutem Zustand, was Berlinerinnen und Berliner bei NochMall und auf vier speziellen Recyclinghöfen zur Wiederverwertung abgeben. Und es wird beständig mehr. Demnächst soll ein Abholservice die Warenströme vereinfachen. Hendrik Jung, 29, ist sich sicher, „das Umdenken hat begonnen“.
Nach Langspielplatten sucht Alex Prokaev. Er kauf fast ausschließlich Secondhand. „Die Dinge haben Geschichte, das macht sie besonders.“
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Stimmt, bestätigt Deutsch- und Russisch-Lehrer Alex Prokaev, 54. Er richtet gerade eine neue Wohnung ein, geht mit zwei vollen Taschen raus. „Gute Qualität! Neues zu kaufen, liegt nicht mehr im Trend!“
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