Karl Heinrich hieß der Polizist, ein Mann, dessen tragisches Schicksal erst in den vergangenen Jahren richtig aufgearbeitet wurde. Der Sozialdemokrat war nach Kriegsende 1945 der erste Kommandant der Berliner Schutzpolizei, eingesetzt von den Sowjets. Das blieb er nur kurz. Denn Heinrich fiel in Ungnade und wurde noch im August des selben Jahres von der sowjetischen Geheimpolizei festgenommen. „Konterrevolutionäre Verbrechen“ hieß der Vorwurf. Drei Monate später, am 3. November, starb er im Krankenhaus des damaligen sowjetischen Speziallagers Nr. 3 in Hohenschönhausen.
Viele Widersprüche in Heinrichs Leben
„Paralyse lebenswichtiger Organe“ stand später im Sterbebericht. Heinrich, sagen Historiker, war gesundheitlich noch schwer gezeichnet – weil er in der Nazizeit sieben Jahre lang im Zuchthaus, in Gestapohaft und in Straflagern saß. Der Volksgerichtshof hatte ihn 1937 wegen Vorbereitung zum Hochverrat in einem Schauprozess verurteilt. Karl Heinrich, bis 1932 Kommandant der Schutzpolizei im Berliner Regierungsviertel, hatte nach der Machtübernahme der Nazis eine sozialdemokratische Widerstandsorganisation aufgebaut. In Hohenschönhausen war er eines der ersten prominenten Todesopfer – und wurde damit Opfer beider Diktaturen in Deutschland.
Doch Heinrich ist nicht unumstritten, seine Biografie alles andere als gradlinig. „Es gibt viele Widersprüche in seinem Leben“, sagt Peter Erler, Historiker und Autor des Buches „Polizeimajor Karl Heinrich, NS-Gegner und Antikommunist“. In der Weimarer Republik habe er als Polizeiführer – demokratisch sozialisiert – die Gegner der Republik am rechten wie am linken Rand hart bekämpft. Er war Mitglied im SPD-dominierten „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Von Nazis ebenso wie von Kommunisten erhielt er den Beinamen „Knüppelheinrich“. 1944 dann, zwei Jahre, nachdem die Gestapo ihn aus der Haft entlassen hatte, meldete sich Heinrich freiwillig an die Front. „Nicht, weil er plötzlich Nazi war“, sagt Erler, „sondern weil er sein Vaterland verteidigen wollte.“
Solche biografischen Unebenheiten zählten zu den Gründen, warum Heinrich später in sowjetische Haft kam. „Hinzu kam, dass er versuchte, in der Berliner Polizei eine sozialdemokratische Hausmacht aufzubauen, als die Westalliierten im Sommer 1945 in die Stadt einrückten“, sagt Erler. Er habe auch versucht, KPD-Mitglieder aus der Polizei zu entfernen.
„Heinrich wurde unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten, seine Geständnisse mit Gewalt erzwungen“, sagt Helmuth Frauendorfer, stellvertretender Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen während der Kranzniederlegung. Immer wieder werde behauptet, in dem Gefängnis hätten nach dem Krieg nur Nazis gesessen. „Der Fall des Widerstandskämpfers Karl Heinrich zeigt, dass davon keine Rede sein kann.“
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