Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erinnerte am Gedenkstein in der Oberlandstraße an die Ermordung von Sürücü. Eine junge Frau habe frei und selbstbestimmt leben wollen, „umso erschütternder waren die Nachrichten, dass diese junge Frau vor 19 Jahren für einen ganz selbstverständlichen Wunsch von ihrem Bruder ermordet wurde“, betonte Wegner. Nach wie vor gebe es in Deutschland Weltbilder, die Selbstbestimmung und Gleichstellung ablehnten. Gewalt gegen Frauen dürfe jedoch nicht „auf die Herkunft reduziert werden, Gewalt gegen Frauen hat viele furchtbare Facetten“.
Hatun Sürücü wurde am 7. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Tempelhof von ihrem Bruder erschossen. Gegen den Willen ihrer Familie hatte Sürücü ihr Kopftuch abgelegt und einen Beruf gelernt. Ihr westlicher Lebensstil verletzte vermeintlich die Ehre der Familie. Die Ermordung der Deutsch-Türkin löste Entsetzen aus. Nach mehr als neun Jahren Jugendhaft wurde der Täter in die Türkei abgeschoben. Ein Gericht in Istanbul sprach zwei Brüder vom Vorwurf der Mittäterschaft frei.
Bei der Gedenkstunde schilderten Wegner und Kiziltepe auch die Konsequenzen aus dem Fall: „Unser Ziel ist es, jedem betroffenen Mädchen und jeder betroffenen Frau Unterstützung zukommen zu lassen, die in ihrer individuellen Situation die passende ist und die ihr hilft, der Gewaltsituation zu entkommen“, sagte die Sozialsenatorin. Neben der Kranzniederlegung waren am Mittwoch in Berlin weitere Veranstaltungen in Erinnerung an Hatun Sürücü geplant.
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