Gefragt wie nie

Jochen-Martin Gutsch
3 Min

Wenn eine Talkshow "Im Kreuzfeuer" heißt, denkt man eigentlich an Michel Friedman. Ein lauter Titel für die laute Sendung eines lauten Moderators. Wahrscheinlich aber würde Friedman nie eine Talkshow moderieren, die nicht seinen Namen trägt. "Im Kreuzfeuer" läuft ab August auf RTL, immer Sonntags, eine Stunde lang. Ein Vertreter der Regierung, einer der Opposition streiten um politische Themen. Moderieren werden die Sendung Peter Kloeppel und Sandra Maischberger.Maischberger. Man könnte denken, die hat doch genug zu tun, sitzt Montag bis Freitag in ihrem kleinen Fernsehstudio bei n-tv und fragt die Leute aus. Sie könnte sich dort auch zufrieden fühlen, weil die Sendung zwar nicht von vielen gesehen wird, aber viele Preise bekommt. Und dann auch noch eine Doppelmoderation. Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben zu formulieren, dass Sandra Maischberger mit einer Doppelmoderation einst ihre Karriere aufs Spiel setzte. Bei "Talk im Turm" saß sie neben Erich Böhme und sollte ko-moderieren, aber neben Böhme war kein Platz zum Moderieren. Sie schmiss hin. Sie galt als Verliererin, als gescheitert. Jetzt also mit Peter Kloeppel. Die Gefahr, dass Sandra Maischberger wieder an einer Doppelmoderation scheitert, ist gering. Sie ist in den letzten Jahren eine Art Markenzeichen für klugen Fernsehjournalismus geworden, wenn man so will und wenn es so etwas gibt. Ein Talkstar, den alle Sender gerne hätten und der dennoch nicht lassen will, von der kleinen, feinen Sendung auf n-tv, wohl wissend, dass es im Fernsehen selten ist, eine Sendung zu moderieren, bei der einem keiner reinredet.Es ist irgendwie eine komische Geschichte mit Sandra Maischberger. 1995 tauchte sie noch in der "Was-macht-eigentlich. ?"-Rubrik des "Stern" auf. Es ist nicht gut, in dieser Rubrik zu stehen. Es heißt, dass man mal einen Hit hatte oder eine Fernsehsendung oder beides und dann irgendwie verschwand. Meistens kommen die "Was-macht-eigentlich. ?"-Leute dann auch nicht wieder. Sandra Maischberger war damals 29 Jahre alt. Sie hatte Talkshows moderiert, Interviews geführt für "Spiegel TV". Dann verschwand sie plötzlich. Keine Shows mehr. Keine Interviews.Sie machte eine Weltreise und als sie nach einem Jahr wiederkam, sollte es wieder losgehen mit Fernsehen, aber es gab kein Format für sie. Für "Vox" entwickelte sie eine News-Show, die Vox nicht wollte. Sie moderierte "Greenpeace TV", das abgesetzt wurde. Zum Schluss führte sie Interviews für die Frauenzeitschrift "Amica", die so waren, wie Interviews in Frauenzeitungen meistens sind. Dann kam n-tv, gab ihr eine Sendung und seitdem stellt sich nur noch die Frage, wann Maischberger den kleinen Sender verlassen wird. Die RTL-Talkshow ist dafür vielleicht der Anfang. Und zugleich auch der Anfang einer Gefahr. Der Gefahr, das Menschen irgendwann das, was sie gut tun, zu oft tun. Und es dann schlecht tun. Der Günther-Jauch-Effekt sozusagen.

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