JERUSALEM. So was hat es noch nie gegeben: Polizeiwagen fuhren am Mittwochmorgen um halb neun bei der Residenz des israelischen Präsidenten vor. Aus ihr stieg eine Delegation unter Leitung von Polizei-Brigadier General Yoav Segelovich, die in brisanter Mission unterwegs war. Sie sollte nichts anderes als den Staatspräsidenten persönlich befragen und zwar in durchaus peinlicher Sache: Mosche Katzav wird die sexuelle Nötigung von Mitarbeiterinnen vorgeworfen. Außerdem muss er sich gegen den Verdacht der Begünstigung verteidigen. Die Geschichte flog vor ein paar Wochen auf. Katzav selber brachte die Affäre ins Rollen, doch immer mehr ist sie ihm entglitten.Der Präsident beschuldigte zunächst eine ehemalige Mitarbeiterin der Erpressung. Kaum war der Stein ins Rollen gebracht, wurde bekannt, dass die Frau eine ehemalige Geliebte des Präsidenten war, die er zu Sex gezwungen haben soll und die von ihm Schweigegeld verlangt hatte. Pech für den Präsidenten, dass sich in der Folge noch weitere Damen meldeten, die ebenfalls sexuelle Kontakte mit dem Präsidenten gehabt haben sollen oder ihm sexuelle Belästigung vorwerfen.Bislang wies Katzav alle Vorwürfe von sich; erste Abklärungen der Polizei, unter anderem unter Anwendung eines Lügendetektors und psychiatrischer Tests, lassen die Vorwürfe allerdings als fundiert erscheinen. Sollten sie sich als wahr erweisen, könnte es eng werden für Katzav. Zwar kann der amtierende Präsident in Israel nicht vor Gericht gestellt werden. Aber das Parlament könnte ihn absetzen. Erste Rücktrittsforderungen gibt es bereits.Mit dem Präsidentenamt ist viel Prestige verbunden, und der Präsident gilt als moralische Instanz. Katzav wurde im Jahr 2000 als Likud-Mitglied gewählt und ist der erste israelische Präsident, der aus einer rechten Partei stammt. Die Affäre des Präsidenten ist nicht der einzige Skandal, der die israelische Regierung erschüttert. Am Wochenende musste Justizminister Haim Ramon, ein enger Vertrauter von Premierminister Ehud Olmert, sein Amt niederlegen. Er war über einen Kuss, den er einer Soldatin aufzwang, gestolpert. Generalstabchef Dan Halutz steht in der Kritik, weil er am Tag des Kriegsausbruchs in Libanon noch private Aktiengeschäfte erledigte.Eine Reihe KorruptionsaffärenAuch eine ganze Reihe von Korruptionsaffären, die während des Krieges in den Hintergrund getreten sind, kommen nun wieder zum Vorschein. Premierminister Ehud Olmert muss sich wegen eines Immobilienhandels rechtfertigen. Er soll ein altes Haus in bester Lage in West-Jerusalem für ein paar hunderttausend Dollar unter dem effektiven Marktwert erstanden haben. Im Gegenzug soll er - so der Verdacht - dem Verkäufer bei der Beschaffung von Behördenpapieren behilflich gewesen sein. Gegen zwei weitere Kadima-Mitglieder laufen Ermittlungen. Tzachi Hanegbi werden Unregelmäßigkeiten aus seiner Zeit als Umweltminister in der Regierung Sharon und Avigdor Itzchaky wird Steuerbetrug vorgeworfen.------------------------------Foto : Mosche Katzav, Staatspräsident von Israel
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