Gegen rechte Gewalt

Der Wowi, der Hardy und der Didi

Der Schauspielveteran Hardy Krüger ruft per Rathaustour auf zum Engagement gegen rechte Gewalt.

Jan Thomsen
3 Min
Drei Herren gegen Rechts: Krüger, 85, Wowereit, 60, Hallervorden, 78.

Drei Herren gegen Rechts: Krüger, 85, Wowereit, 60, Hallervorden, 78.

© dpa/Britta Pedersen Lizenz

Die Fotografen reißen schon die Kameras hoch, als die schwere Holztür sich öffnet – doch dann kommt doch noch nicht der Hardy Krüger, sondern erstmal nur der Richard Meng. „Hallo“, sagt Meng zu den Fotografen. Er wolle nur mal schauen, ob alle da sind. Meng ist der Sprecher des Berliner Senats und nicht so berühmt, wie es der Hardy Krüger zumindest mal war. Krüger ist schon 86 und lebt meist „in den kalifornischen Bergen“, wie es so schön bei Wikipedia heißt, dass man es eigentlich gar nicht genauer wissen will.

Also: Angekündigt war im Pressedienst des Senats eine Vorstellung von Krügers Engagement gegen Rechtsextremismus, das er im vorigen Jahr gestartet hat, als er 85 wurde. Krüger, einer der ersten deutschen Schauspieler nach dem Krieg, die es bis nach Hollywood schafften (Hatari! Der Flug des Phoenix!), war einst als überzeugter Hitlerjunge auf einer NS-Eliteschule im Allgäu, bevor er durch den Ufa-Schauspieler Hans Söhnker politisch aufgeklärt wurde – und sich an dessen heimlicher Rettung von Juden beteiligte, denen er dann bei der Flucht in die Schweiz half.

Es gibt also viel zu erklären, der Stoff ist groß, doch die Zeit ist knapp. Als Hardy Krüger, Klaus Wowereit und Didi Hallervorden („Der Hardy hat mich gefragt, ob ich mitmache“), selbst auch schon 78, endlich kommen, da gibt es erst einmal einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Dann setzen sich die Herren. Und Hardy Krüger, sehr weltenbummlermäßig mit offenem blauen Hemd und Einstecktuch, erzählt von der Hitlerbüste auf dem Klavier seiner Mutter und sagt, dass er kein Verständnis hat, wenn auch nur ein einziger Deutscher diese rechten Parteien wählen würde.

Didi Hallervorden sagt, der beste Verfassungsschutz sei das engagierte Eintreten jedes Einzelnen für das Grundgesetz. Und Wowereit sagt, man müsse die „Alltagsdiskriminierung“ bekämpfen. Zuerst klingt es wie Altersdiskriminierung. Das ist alles richtig, aber doch etwas vage, schriftliche Informationen liegen nicht vor – zum Glück erklärt ein Mann von der Amadeu-Antonio-Stiftung noch, dass die Herren Spenden für Projekte gegen Rechts sammeln und eine Tour durch Rathäuser unternehmen. Hamburg und Köln war schon, nach Berlin kommt erstmal Stuttgart. Die Daimler AG ist Sponsor, wofür man sich sehr bedankt.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema