Gehaltskürzung für Dax-Chefs

Sebastian Wolff
3 Min

Nachdem gierige amerikanische Banker eine Welle der Empörung ausgelöst haben, weil sie trotz Finanzkrise und stark rückläufiger Gewinne ihrer Institute wieder munter Millionen-Boni einstrichen, stimmt diese Nachricht ein wenig versöhnlich: Die Vorstände der großen Dax-Konzerne waren im vergangenen Jahr relativ genügsam - sofern dieser Ausdruck angesichts von Millionengehältern überhaupt angebracht ist.Immerhin 20 Prozent weniger als im Vorjahr haben die Dax-Vorstände 2008 einer Studie der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zufolge verdient. Demnach lagen die Gehälter wieder auf dem Niveau des Jahres 2005. Alle Dax-Vorstände haben zusammen 441 Millionen Euro verdient. 2007 waren es noch 583 Millionen.Am bemerkenswertesten an der neuen Rangliste ist sicherlich der Abstieg von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Unter den 30 Dax-Konzernchefs stürzte er beim Gehalt von Rang eins auf Rang 27 ab. 1,4 Millionen Euro verdiente er 2008. Das waren 90 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Grund: Ackermann, das muss man ihm anrechnen, verzichtete 2008 freiwillig auf die ihm zustehenden Boni.Andere Top-Banker, auch in Deutschland, taten das nicht. So durften sich die neun Vorstände der Postbank wegen des Verkaufs durch die Post eine Sonderzahlung in Höhe von 11,5 Millionen Euro teilen. Dabei hat die Postbank 2008 einen Verlust in Höhe von 821 Millionen Euro erlitten. Erst nach heftiger öffentlicher Kritik bot Postbank-Chef Wolfgang Klein an, 2009 für einen symbolischen Euro zu arbeiten. 2008 hat er dafür 3,3 Millionen Euro kassiert - und damit mehr als doppelt so viel wie Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Das Pikante dabei: Die Postbank wird bald nur noch ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank sein - man darf also gespannt sein, was die Vorstände der Deutschen Bank künftig dazu sagen, wenn die Kollegen beim Tochterunternehmen mehr verdienen als sie.Spitzenverdiener im Dax war aber ein anderer: Siemens-Chef Peter Löscher. Für die ersten Sanierungsschritte des von der Wirtschaftskrise und dem Schmiergeldskandal besonders stark gebeutelten Technologiekonzerns kassierte Löscher stolze 8,5 Millionen Euro. Nicht viel weniger strich Linde-Chef Wolfgang Reitzle ein: Er kam 2008 auf acht Millionen Euro Gehalt. Der Wechsel des ehemaligen Automobil-Managers (erst BMW, dann Ford) auf den womöglich weniger prestigeträchtigen Chefsessel des Münchner Industriegaseherstellers hat sich für ihn also zumindest finanziell mehr als bezahlt gemacht.Vergleichsweise bescheiden war Commerzbank-Chef Martin Blessing. Er landete unter den 30 Dax-Chefs auf dem letzten Platz mit gut 600 000 Euro - 80 Prozent weniger als im Vorjahr. Ganz freiwillig hat Blessing diese Gehaltskürzung indes nicht hingenommen: Die Commerzbank wird staatlich gestützt, das Gehalt ihrer Vorstände ist deshalb gedeckelt.------------------------------Grafik: Vorstandsgehälter 2008

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema