Kriminalität

Was man im Internet über Kreuzberg lernen kann

Wenn die Welt so einfach wäre, wie im Internet nachzulesen, gäbe es weniger Probleme.

Julia Haak
2 Min
Das Leben in Kreuzberg sei gefährlich, liest man oft im Internet.

Das Leben in Kreuzberg sei gefährlich, liest man oft im Internet.

© imago/Schöning

Am Dienstag habe ich mich im Internet fortgebildet. Das war sehr lehrreich. Ich weiß jetzt einiges mehr über diese Stadt und dieses Land. Jedenfalls fühle ich mich so. Der Anlass war ein verschwundenes Rad. Es ist das Rad des Grünen-Chefs Cem Özdemir.

Es ist ein schönes Rad: giftgrün, ein E-Bike. Dummerweise ist es in einem Kreuzberger Hausflur abhanden gekommen. Ungefähr diese Informationen sind bekannt. Cem Özdemir stellte sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Denn er formulierte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter eine Art Fahndungsaufruf für sein Rad. Interessant ist allerdings, welche Antworten er bekommt. Denn das ist ja das schöne an der digitalen Welt. Wer das unbedingt möchte, kann mitlesen.

Am schlimmsten ist es in Kreuzberg

Das Leben in Kreuzberg ist gefährlich, lerne ich dort. Erstens, weil das Rad dort wegkam. Zweitens, weil in Kreuzberg immer geklaut wird. „Kreuzberg, na kein Wunder.“ Ein Schreiber weiß auch von wem. Ein Junkie war’s. Oder auch: knallharte Mafia-Kriminalität. Für diese Zuordnung muss die Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin herhalten, die einer Zeitung mal gesagt hat, sie wünsche sich mehr Polizeipräsenz.

Um die Sache politisch abzurunden, mischt sich einer ein, der weiß, wo die Probleme dieser Republik wirklich liegen. Mühelos lässt sich nach dieser Lektüre der Schluss ziehen, es gibt zu wenig Polizisten, also steigt die Kriminalität und Fahrräder werden vergesellschaftet. Am schlimmsten ist es in Kreuzberg.

Biene Maja, Kermit der Frosch oder der Postbote

Nicht besser kommt natürlich Polen weg. Auch hier, weiß die Netzgemeinde, wohnen Diebe. Das Rad sei längst zerlegt und jetzt irgendwo im Osten. Was auch nicht gut ist, ist der Mauerpark. Dort treiben Hehler ihr Unwesen. Man muss nur nachgucken. Schon ist das Fahrrad wieder da. Die echten Kriminellen allerdings, die sitzen im Bundestag.

Also, wenn die Welt so einfach wäre, wie im Internet nachzulesen, hätten wir definitiv weniger Probleme. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, wer der Dieb auch gewesen sein könnte: Biene Maja, Kermit der Frosch oder der Postbote.

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