Mordprozess beginnt

„Gekränkte Ehre“: Afghanin in Berlin von eigenen Brüdern getötet

Mit 16 wurde Maryam H. in Afghanistan zwangsverheiratet. Als sie sich in Deutschland scheiden ließ, war das ihr Todesurteil. Im Februar beginnt der Prozess.

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Am Landgericht in Moabit soll der Mordprozess gegen die beiden Brüder von Maryam H. beginnen.

Am Landgericht in Moabit soll der Mordprozess gegen die beiden Brüder von Maryam H. beginnen.

© Imago

Sie sollen ihre Schwester aus gekränktem Ehrgefühl getötet, die Leiche in einem Koffer nach Bayern gebracht und dort vergraben haben. Nun müssen sich die beiden 26 und 22 Jahre alten afghanischen Brüder Sayed und Seyed H. vor Gericht verantworten. Nun steht offenbar fest, wann das Gerichtsverfahren beginnt. Nach Informationen der Berliner Zeitung soll der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder am 18. Februar vor einer Schwurgerichtskammer des Berliner Landgericht starten.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die Tatverdächtigen Ende vergangenen Jahres Anklage wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen erhoben. Demnach wollten Sayed und Seyed H. ihre 34 Jahre alte Schwester Maryam H. mit der Tat gezielt für ihren westlich orientierten Lebenswandel bestrafen, „der nicht ihren archaischen Ehr- und Moralvorstellungen und ihrem Frauenbild entsprach“. Am 13. Juli des vorigen Jahres hätten sie die Frau unter einem Vorwand zu einem Treffen gelockt und die Mutter zweier Kinder am Nachmittag gemeinschaftlich getötet. Sie sollen Maryam H. gedrosselt, gewürgt und anschließend die Kehle aufgeschnitten haben.

Die Leiche der Frau hätten die Männer dann in einen bereitstehenden großen Rollkoffer gelegt, mit dem sie mit einem Taxi zum Bahnhof Südkreuz gefahren seien. Fotos aus einer Überwachungskamera zeigten damals, wie die jungen Männer den riesigen Koffer über den belebten Bahnsteig zogen und ihn gemeinsam in einen ICE hievten. Mit dem Zug sollen Sayed und Seyed H. nach Bayern gefahren sein, um die Leiche in der Nähe des Wohnortes des älteren Bruders zu vergraben.

Maryam H. wurde mit 16 Jahren zwangsverheiratet

Maryam H. soll in ihrer afghanischen Heimat zwangsverheiratet worden sein, als sie 16 Jahre alt war. 2013 kam sie nach Deutschland. Drei Jahre später zog sie mit der Familie nach Berlin. Vor vier Jahren ließ sie sich von ihrem Ehemann scheiden, nachdem er gewalttätig geworden sein soll. Maryam H. erwirkte offenbar auch ein Annäherungsverbot, mit dem es ihrem Ex-Mann nicht gestattet war, zu ihr und den Kindern zu gehen.

Der Familie von Maryam H. soll die Trennung vom Ehemann nicht gefallen haben, sodass die Brüder damit begannen, sie zu kontrollieren: Sie sollen ihrer Schwester verboten haben, die Wohnung allein zu verlassen und sich westlich zu kleiden. Besonders störte sie wohl, dass die Frau einen neuen Partner gefunden hatte. Auch der Mann sei von den Brüdern bedroht und vor dem Tötungsdelikt angegriffen worden, teilte die Staatsanwaltschaft bei Anklageerhebung mit.

Der neue Lebensgefährte von Maryam H. soll es auch gewesen sein, der die Frau bei der Polizei als vermisst meldete. Da die Ermittler schnell von einem Verbrechen ausgingen, wurden Bahnhöfe kontrolliert und auf Videoaufzeichnungen vom Bahnhof Südkreuz die Brüder von Maryam H. identifiziert. Auch der Taxifahrer, der die Männer mit ihrem großen Koffer zum Zug gefahren hatte, konnte nach einer Öffentlichkeitsfahndung ermittelt und als Zeuge befragt werden.

Leichenspürhunde und Zeugenaussage führten die Fahnder schließlich in ein Waldstück in Bayern, wo die Leiche von Maryam H. gefunden werden konnte. Seit dem 3. August des vorigen Jahres sitzen die Brüder der getöteten Frau in Untersuchungshaft.

Der Mordprozess soll vor der 22. Großen Strafkammer stattfinden. Die Kinder von Maryam H., ein zehnjähriges Mädchen und ein 13 Jahre alter Junge, werden in dem Verfahren Nebenkläger sein und von einem Anwalt vertreten.

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