Die Berliner Zeitung hat mit Julia Schneider, der Grünen Direktkandidatin für Berlin-Pankow, ein Interview geführt, veröffentlicht wurde es in der Berliner Zeitung am Wochenende (1./2. Februar 2025) und online. Die ostdeutsche Politikerin wurde zur Direktkandidatin für die Bundestagswahl gewählt, nachdem Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Stefan Gelbhaar (Grüne) laut geworden sind.
Exklusiv-Interview mit Julia Schneider: „Ich wollte nicht gegen Stefan Gelbhaar antreten“
Gelbhaar hatte im Dezember 2024 die Wahl als Direktkandidat in Berlin-Pankow klar für sich entschieden. Im Januar 2025 wurde die Wahl wegen der Vorwürfe wiederholt. Mittlerweile ist klar, dass einige der zuerst im RBB veröffentlichten Anschuldigungen frei erfunden waren. Julia Schneider erklärt in der Berliner Zeitung ihren Blick auf Gelbhaar und was sie zu einer Kandidatur bewogen hat.
Grüne Intrige gegen Stefan Gelbhaar: Ist eine Berliner Abgeordnete in den Fall verwickelt?
Linke Grüne, Bettina Jarasch, der RBB: Wer im Fall Gelbhaar eine Rolle spielt
Julia Schneider drückt ihre Wertschätzung für Gelbhaar aus, auch wenn sie die Debatte um den Politiker nicht als beendet sieht. Sie hat sich entschieden, für die Grünen in Pankow weiterhin zu kandidieren, obwohl sich einige der Vorwürfe gegen Gelbhaar als falsch herausgestellt haben. Sie sagt dazu: „Ich habe mit Stefan darüber gesprochen, ich bin ja weiter in Kontakt mit ihm, was mir wichtig war. Aber die Möglichkeit zurückzuziehen, gab es gar nicht für mich. Die Zustimmung zur Kandidatur ist unwiderruflich. Wenn ich zurückgezogen hätte, hätte es entweder keine Kandidatur gegeben oder wieder eine Wahl geben müssen. Ich habe mich gefragt, wie würde das Ergebnis aussehen. Die Antwort ist: Es gibt weiterhin sieben Meldungen von Frauen. Ich weiß nicht, ob es so viel anders ausgegangen wäre. In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Falschaussage ein kompletter Kipppunkt gewesen. Aber in der etwas differenzierteren Diskussion im Kreisverband? Weiß ich nicht.“
Zugleich setzt sich Julia Schneider für das Prinzip der Unschuldsvermutung ein, trotz der Haltung der Grünen Jugend in der Debatte. Julia Schneider: „In einem Rechtsstaat gibt es ein lang erprobtes Prinzip, und das ist die Unschuldsvermutung, die gilt natürlich auch in der Partei. Wir sind kein rechtsfreier Raum.“
Im weiteren Verlauf des Interviews erklärt Schneider ihr Verhältnis zu Gelbhaar, wie sie als Ostdeutsche im Westen diskriminiert wurde, ihre Haltung zu Waffenlieferungen an die Ukraine und wie sie den Wahlkreis gegen die CDU und AfD verteidigen will.
Lesen Sie das ganze Interview in der Berliner Zeitung am Wochenende oder online hier.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de