Gemeinde wählt am Sonntag neuen Bürgermeister

Die Orts-SPD unterstützt den CDU-Kandidaten

Julia Schmidt
3 Min

Nach einem emotionsgeladenen Wahlkampf sind am Sonntag in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) rund 6 700 Wahlberechtige aufgerufen zu entscheiden, wer in den nächsten acht Jahren Bürgermeister der Gemeinde am Rande Berlins und gleichzeitig Direktor des Amtes Stahnsdorf wird. Drei Kandidaten bewerben sich um die Gunst der Wähler. Chancen werden dem CDU-Bewerber Gerhard Enser und Klaus Nitzsche (SPD) eingeräumt. Der Kampf um den Bürgermeister-Posten, der eine Personenwahl sein sollte, wurde zum Machtkampf der Parteien. Die Einwohner der Gemeinde, die in den letzten Jahren wegen ihrer hohen Verschuldung oft Negativ-Schlagzeilen schrieb, sind in ihrer Haltung zu den Kandidaten genauso gespalten wie der SPD-Ortsverein.Der CDU-Mann Enser hat einen erheblichen Anteil daran, dass das Schuldenproblem Stahnsdorfs entschärft wurde. Die Gemeinde hatte 1992 von der Treuhand für 65 Millionen Mark ein 50 Hektar großes Gewerbegebiet gekauft. Durch Misswirtschaft in der Verwaltung des im März abgewählten Bürgermeisters Horst Muhsold (parteilos) stiegen die Schulden auf fast 100 Millionen Mark. Auch durch Ensers Engagement gelang es, eine Lösung zu finden: Die Treuhandliegenschaftsgesellschaft erließ 70 Millionen Mark der Schulden. "Die Restschuld von 28,5 Millionen muss in den nächsten Jahren durch schnelle Vermarktung des Gewerbegebietes zurückgezahlt werden", sagt Enser, ein pensionierter Bundeswehroffizier, der seit 1993 in Stahnsdorf lebt. Er findet auch Zustimmung bei den Bündnisgrünen und in Teilen der Orts-SPD.PDS will SPD-Mann wählenOhne Unterstützung der Orts-SPD tritt Klaus Nitzsche (SPD) aus Kleinmachnow an. "Er ist ein Einzelkandidat, der Unterstützungsunterschriften von Personen aller Parteien vorgelegt hat", sagt SPD-Ortschef Gerhard Nimke. Er wirft Nitzsche "Etikettenschwindel" vor, da er auf seinen Wahlplakaten mit den Parteienlogos von SPD, FDP und PDS wirbt. "Er erweckt den Eindruck, die volle Unterstützung der Parteien zu haben. Entsprechende Beschlüsse jedoch gibt es nicht." Übel genommen haben die Genossen vor Ort Nitzsche auch die Äußerung von "Aufbauhelfern, die nicht zu Aufbaubestimmern" werden dürfen. Damit habe er eine Ost-West-Konfrontation in der Gemeinde gefördert, sagte Nimke. Er hält Nitzsche auch eine "noch nicht ganz geklärte Stasi-Akte" vor, die diesen 1994 auf eine weitere Kandidatur als Kleinmachnows Bürgermeister verzichten ließ. Er sei nie IM gewesen, sagt Nitzsche zu den Vorwürfen. Hinter die Kandidatur Nitzsches stellte sich aber der SPD-Unterbezirk Potsdam-Mittelmark. Nitzsche, der einen Bürgermeister mit Ost-Erfahrungen für wichtig hält, bekommt Unterstützung von einigen SPD-Mitgliedern sowie von der PDS. "Wir sehen durch ihn die soziale Komponente stärker vertreten", sagt Gemeindevertreter Harald Mushack. Hinter Nitzsche steht auch der FDP-Abgeordnete Günter Wüstenhagen, obwohl der Landesvorstand sich für Enser aussprach. Der dritte Kandidat, Guido Zenkert, hat kaum eine Chance auf den Posten des Gemeindeoberhauptes. Der 49-Jährige arbeitet seit 1984 in der Stahnsdorfer Verwaltung.BÜRGERMEISTER Drei Kandidaten // Kandidaten: Zur Bürgermeister-Wahl am Sonntag treten Gerhard Enser (CDU), Klaus Nitzsche (SPD) und Guido Zenkert (parteilos) an.Wahl: Gewählt ist der Bewerber, für den mehr als die Hälfte der Wähler und mindestens 15 Prozent der Wahlberechtigten stimmen.Stichwahl: Gewinnt kein Kandidat, gibt es nach zwei Wochen eine Stichwahl.

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