Nur wenige Räume weiter aber, in der für die Sonderausstellung „El siglo de Oro“ umgebauten Wandelhalle, packen kräftige Farben die Aufmerksamkeit der – zahlreichen – Besucher, lenken raffiniert gesetzte Lichter den Blick auf die ausgestellten Schätze aus dem Spanien des 17. Jahrhunderts.
Ein Gespräch im Kulturforum
Wer dieser Tage durch diese Säle geht, der sieht nicht nur Kunst. Dem wird vor Augen geführt, welche Wege Michael Eissenhauer für das Haus, dessen Direktor er seit 1. August ist, einschlagen möchte. Wohl deswegen hat der Kunsthistoriker für ein Gespräch in die Galerie am Kulturforum gebeten. Nun gut, auch sein Büro, das des Generaldirektors der Staatlichen Museen zu Berlin, der er seit 2008 bereits ist, ist gleich hinter der Gemäldegalerie in der Villa Gontard.
Die Staatlichen Museen zu Berlin
Weltweit gesehen zählen die Staatlichen Museen zu Berlin zu den größten Museumsbetrieben. Ihre 800 Mitarbeiter sind in 19 Häusern beschäftigt, dazu zählen etwa die Museumsinsel, die Gemäldegalerie, der Hamburger Bahnhof oder die Neue Nationalgalerie.
Die Sammlungen sind zweifellos Weltspitze, nicht aber die Besucherzahlen. 2,9 Millionen Menschen besuchten im Jahr 2014 die zahlreichen Museen, die unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz organisiert sind, 2015 waren es 100.000 Besucher weniger.
Der Louvre in Paris zählte im selben Zeitraum 9,3 Millionen Besucher, das British Museum in London 6,7 Millionen, das Metropolitan Museum in New York 6,2 Millionen. In das bestbesuchte Berliner Haus, das Pergamonmuseum, fanden 1 Million Besucher.
Vor einer lebensgroßen Holzstatue von Teresa von Avila bleibt Eissenhauer stehen. „Ist sie nicht wunderbar?“ Eine Frage, die keine Antwort erwartet. Durch raffiniert gesetztes Licht scheint die Heilige aus sich selbst heraus zu leuchten. Sie hält ein Buch in der Hand; ein Originalband aus der Zeit ist gleich daneben unter Glas ausgestellt.
Ein Bücherstilleben an der Wand vervollständigt den thematischen Dreiklang, der die Bedeutung des geschriebenen Worts für das mehrere Kontinente umspannende Weltreich illustriert. Und das in einem Haus, wo es noch immer als Wagnis gilt, überhaupt eine Skulptur neben ein passendes Gemälde zu stellen, wo bislang jeder Versuch, Kunst als Teil der Geschichte zu erzählen, wenn möglich verhindert wurde.
Der Kulturmanager
Das wird sich ändern. Michael Eissenhauer hat vor sechs Wochen auch noch die Direktion der Skulpturensammlung mit übernommen, mit dem erklärten Ziel, sie mit den Gemälden enger zu verzahnen. Das sollte dem 60-Jährigen wohl gelingen, der in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach deren Präsidenten Hermann Parzinger zweifellos die machtvollste Stellung innehat.
Dass der Generaldirektor eine Sammlung leitet, ist üblich in der Preußenstiftung. Bislang wurden diese Posten stets mit wissenschaftlichen Koryphäen besetzt. Die Forschung aber zählt nicht zu Eissenhauers Schwerpunkten. Er ist eher ein Kulturmanager. So einen aber braucht es am Kulturforum und auch für das Bode-Museum angesichts der stetig schwindenden Besucherzahlen.
Michael Eissenhauer posiert für ein Foto im Kuturforum Berlin.
© Paulus Ponizak
Seine Besetzung ist ein positives Signal und zeigt, dass die Preußenstiftung diese museumspolitischen Baustellen endlich angehen wird. Allerdings sind Eissenhauers neue Ämter auf drei Jahre begrenzt. Viel wird er in dieser Zeit nicht ausrichten können, höchstens Gleise legen, auf die mögliche Nachfolger gesetzt werden.
Aber zurück in die Siglo-Ausstellung. Die Idee dazu ist 2012 gemeinsam mit seinem Vorgänger an der Spitze der Gemäldegalerie, Bernd Lindemann, entstanden. Damals erregte sich die Kunstwelt über die Pläne der Preußenstiftung, Skulpturen und Gemälde zusammenzuführen. Die Schau sollte beweisen, wie wunderbar sich die Kunstformen ergänzen, wie künstlich deren Trennung ist. Vier Jahre sind seither vergangen.
Die Besucherzahlen geben ihm Recht
Das Projekt war von Anfang an beim Generaldirektor angesiedelt. So konnte sich Eissenhauer sicher sein, dass keiner die Idee verwässern würde. Die Besucherzahlen geben ihm Recht. „Ich glaube, dass die Museen sich stärker der Verantwortung stellen müssen, Bilder oder Skulpturen nicht nur als solches zu bewahren, sondern den Menschen einen Zugang in die Botschaften von Kunst vermitteln.“
Das Museum als Mittler. Das ist nicht neu, auch wenn die Staatlichen Museen sich beharrlich erlauben, dies zu ignorieren. Seit Jahrzehnten diskutieren Museen weltweit, wie sie Menschen für ihre Sammlungen begeistern können, auch in Berlin. In einem dreijährigen Werkstattprojekt etwa wurde bis 2015 überlegt, wie die ethnologischen Sammlungen aus Dahlem – auch diese gehören zum Reich des Generaldirektors – künftig im Humboldt-Forum ansprechend und zeitgemäß präsentiert werden können.
Doch während für die zahlreichen Bau- und Sanierungsvorhaben verlässlich immer neues Geld aufgetrieben wird, fehlt es für die Präsentation der Schätze, dem eigentlichen Herz der Museen, an allen Ecken.
Veränderungen sind heikel
Michael Eissenhauer formuliert sehr vorsichtig, wenn er über seine Pläne spricht. Man ahnt, wie heikel und kompliziert jede noch so kleine Veränderung innerhalb der Staatlichen Museen zu sein scheint.
Sie sind aber notwendig. Bestürzend wenig Menschen finden den Weg ans Kulturforum, 2015 waren es gerade einmal 300000 – und dass auch nur dank der Sonderschau „Botticelli Renaissance“, die allein 190000 Besucher lockte. Nicht besser sieht es für die im Bode-Museum gezeigten Skulpturen aus, wohin sich maximal eine Viertel Million verirren.
Verpönte Erklärtäfelchen
„Das ist nicht schlecht“, redet Michael Eissenhauer die Zahlen schön. „Altmeister haben eben nicht denselben Zuspruch wie Moderne Kunst.“ Überhaupt möchte er keine Vergangenheitsinterpretation. Zu leicht könnte das als Kollegenschelte verstanden werden. „Ich möchte in die Zukunft blicken“, sagt er. Für diese hat er einen Vier-Punkte-Plan erdacht.
Neben dem Zusammenrücken von Gemälden und Skulpturen gehört dazu die bessere Inszenierung der Kunstwerke. Der Besucher wird stärker an die Hand genommen. Für die Gemäldegalerie heißt das auch, dass die lange verpönten Erklärtafeln Einzug halten.
Über den Berliner Tellerrand blicken
Auch Apps sind geplant – sobald ein Wlan-Netz in den Stahlbetonbau installiert ist. Über den Berliner Tellerrand blickend soll sich die Gemäldegalerie künftig stärker an internationalen Ausstellungen beteiligen. Die große Rembrandt-Schau etwa liegt zehn Jahre zurück. Die „Botticelli Renaissance“ war ein ermutigender Auftakt.
„Worum es mir geht, ist eine Weitung des Horizonts, um Dinge zu ermöglichen, die bisher nicht gedacht wurden, die man sich nicht getraut hat“, sagt Eissenhauer. Man kann ihm nur wünschen, dass er innerhalb des Hauses genügend Unterstützer findet.
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