Karten zeichnen mit Zirkel, Lineal und Bleistift -das war einmal. Auch der Beruf des klassischen Kartographen gehört inzwischen der Vergangenheit an. Heute sitzen Geomatiker am Computer, um Messdaten auf digitalem Wege zu topographischen Karten zu verarbeiten. Im August startete der erste Ausbildungsjahrgang in diesen neuen Beruf. Der Name setzt sich aus Geodäsie, also der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche, und Informatik zusammen.Neugestaltung des Berufsbildes"Wir glauben an eine große Zukunft für Geomatiker", sagt Peter Aschenberner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kartographie. Die DGfK gehörte zu einer der Instanzen, die an der Entwicklung des neuen Berufsbildes maßgeblich beteiligt war. Auslöser für die Neugestaltung war die stark gesunkene Nachfrage nach den bisherigen Raumdatenspezialisten. "Verglichen mit früher wurde der Anteil der Vermessung an der Ausbildung verstärkt", so Aschenberner. "Wir wollten zudem mehr Schnittmengen zwischen den drei Teilbereichen Kartographie, Vermessungstechnik und Fernerkundung, also der Datenerhebung von Flugzeug und Satellit aus, schaffen", ergänzt Cornelia Gläßer, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation. Damit soll das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten der Geomatiker erweitert werden.Wer Interesse an dem Beruf, den die Bravo ihren Lesern bereits als einen der Top-Jobs des Jahres vorstellte, hat, sollte den Naturwissenschaften gegenüber aufgeschlossen sein, ein mathematisches Verständnis ebenso haben wie bildliches Vorstellungsvermögen, technisch-logisches Verständnis, Konzentrationsvermögen und gestalterische Fähigkeiten. Ein Realschulabschluss ist Voraussetzung.Darstellung von Daten ist HauptsacheDas erste Ausbildungsjahr hindurch werden Geomatiker und Vermessungstechniker parallel geschult; nach der Zwischenprüfung findet die Spezialisierung auf die jeweiligen Berufsbilder statt. Während bei der Vermessung eher die Datenerhebung im Vordergrund steht, geht es in der Geomatik verstärkt um die Darstellung der Daten -sei es in Form von Karten oder etwa als Element von Navigationssystemen. Die gesamte Kette, von der Erfassung analoger und digitaler Daten über die Interpretation, Analyse und Speicherung bis zur Visualisierung und dem Marketing der gewonnenen Informationen, wird während der dreijährigen Lehre in Betrieb und Berufsschule vermittelt.Die Bezahlung beläuft sich während der Ausbildung auf 700 bis 800 Euro. Anschließend liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 1600 Euro monatlich. Eingesetzt werden Geomatiker im Vermessungs-, Kataster- und Geoinformationswesen, in kartographischen Firmen und Verlagen sowie in Ingenieurbüros für Fernerkundung. Auch für Geoinformationssysteme und digitale Geländemodelle werden die Fähigkeiten von Geomatikern gebraucht. Gefragt sind sie darüber hinaus für das Graben von Tunneln und die Lenkung von Flugzeugen. Bei der Betrachtung der Welt mit Google Earth wird ebenfalls auf von Geomatikern erhobene Informationen zurückgegriffen.Lehre mit WeiterbildungspotenzialFür die Zukunft dürften speziell die Bereiche der Navigation für Fußgänger, Fahrradfahrer und Sondertransporte durch neue Galileo-Anwendungen an Bedeutung gewinnen. Selbst im Warenhandel, in dem die Logistik immer ausgefeilter wird, sowie durch europäische Richtlinien zur Umwelt- oder Nahrungsmittelüberwachung und zur CO2-Senkung können sich neue Einsatzgebiete für die Vermesser der Welt ergeben. Nicht zuletzt gewinnt das globale Geodatenmanagement an Bedeutung, um bessere Vorhersagen von Naturkatastrophen zu ermöglichen.Nach Einschätzung von DGfK-Präsident Aschenberner müssen sich ausgebildete Geomatiker gegenüber Hochschulabsolventen mit Bachelor-Abschluss nicht verstecken -gerade wegen ihrer handfesten Lehre: "Der Geomatiker kann ohne weitere Einarbeitung sofort im Betrieb eingesetzt werden. Beim Bachelor ist der Theorieanteil weitaus höher, die Praxis kommt erst viel später."Wer sich nach der Lehre jedoch fortbilden will oder sich besonders für die theoretischen Aspekte interessiert, hat in Berlin zum Beispiel an der Beuth Hochschule für Technik Gelegenheit dazu. Drei Studiengänge sind dort im Angebot: ein Master in Geodatenerfassung und -visualisierung, ein Bachelor oder Master in Geoinformation sowie ein Bachelor in Kartographie und Geomedien. Die Beschäftigungsmöglichkeiten gelten zur Zeit als ausgezeichnet. In vielen Unternehmen werden qualifizierte Geoingenieure gesucht. Häufig gehört zu ihren Aufgaben dabei einerseits eine praktische Messtätigkeit im Außendienst und andererseits die Projektplanung und -analyse im Büro.------------------------------GeomatikÜberblickEine gute Übersicht für Vermessungs- und Geomatikingenieure findet sich auf folgender Internetseite:www.geofuture.deBerufsbildInformationen zu Berufen im Bereich der Geoinformationstechnologie finden sich auf folgenden Homepages:Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)www.bibb.deGesellschaft für Photogram-metrie, Fernerkundung und Geoinformationwww.geomatiker.comDeutsche Gesellschaft für Kartographiewww.dgfk.netBund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurewww.bdvi.deHochschuleDas Studium im Bauin-genieur- und Geoinformationswesen kann man zum Beispiel an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin absolvieren.www.beuth-hochschule.de------------------------------Foto: Vermessungen in "freier Wildbahn" gehören auch zum neuen Berufsbild des Geomatikers.
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