Georgien ist ein Land der Geländewagen, und das hat durchaus seine Berechtigung. Nicht erst im Kaukasus, schon in einigen Ecken der Altstadt von Tiflis gibt es ungeteerte steile Wege, die ein Familienkombi kaum bewältigt. Verlässt man die gut ausgebauten Hauptverkehrsstraßen des Landes, findet man sich schnell auf buckeligen Pisten wieder.
Zudem ist Georgien ein Land der Gebrauchtwagen, und auch das hat seine Gründe. Ein gebrauchtes Auto ist einfach billiger als ein neues. Das Bruttonationaleinkommen betrug vergangenes Jahr knapp 2400 Euro pro Kopf. Da muss man sich bescheiden.
Sehr beliebt sind deutsch-deutsche Gebrauchtwagen, also Fahrzeuge deutscher Hersteller, die zuvor von Deutschen gelenkt wurden. Jede Menge von ihnen haben die Straßen der Bundesrepublik verlassen und rollen nun durch Georgien. Zu erkennen sind sie leicht, man muss nur nach einem „Baby an Bord“-Aufkleber Ausschau halten. Oder nach einem Handwerker-Lieferwagen mit einem dieser allzu bemühten Werbe-Wortspiele in deutscher Sprache. Oder nach einem tiefer gelegten Mittelklassewagen mit verdunkelter Heckscheibe. In aller Regel ziert ihn in kantigen Buchstaben der Name des örtlichen Opel-, VW- oder Ford-Fanclubs.
Nur eine Sorte deutsch-deutscher Gebrauchtwagen sieht man in Georgien fast nie: Jeeps. In diesem Marktsegment dominiert die japanische, russische oder US-amerikanische Konkurrenz. Wer sich einmal die weit in Richtung Straße hinabreichende verchromte Frontpartie eines Sport Utility Vehicle von BMW oder Mercedes-Benz angesehen hat und sie vergleicht mit der Linienführung und Ausstattung eines Lada Niva, ahnt schnell, warum das so ist.
Ein SUV aus Stuttgart oder München – besser gesagt: aus Tuscaloosa in Alabama oder Greer in South Carolina, denn dort werden sie zusammengebaut – ist eben kein Geländewagen. Das Erfahren von Georgiens Pisten beweist, dass diese Art Auto tatsächlich allein dafür taugt, die Bewohner von Altbau-Lofts zum nächstgelegenen Bioladen zu befördern.
Für die Verkehrsteilnehmer in Prenzlauer Berg und Charlottenburg sowie die Anlieger von Biomärkten besteht deshalb kaum Hoffnung. Die in ihrer Umgebung rollenden oder parkenden PS-Ärgernisse werden nicht einfach in den Kaukasus entschwinden. Ihr Gelände bleibt die Großstadt.
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