Geplante Patientenquittung soll Missbrauch verhindern

Ärzte weisen Betrugsvorwurf strikt zurück

Christian Lipicki
3 Min

BERLIN, 14. August. Die Kassenärzte haben den Vorwurf von Abrechnungsbetrügereien zu Lasten des Gesundheitssystems zurückgewiesen und den Krankenkassen bösartige Unterstellungen vorgeworfen. "Der Eindruck, dass ein Großteil der Ärzte betrügen würde, ist schlicht falsch", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Manfred Richter-Reichhelm, am Mittwoch in Berlin. Seiner Einschätzung nach würden lediglich einzelne schwarze Schafe das System zu ihren Gunsten manipulieren. Zur Eindämmung des Missbrauchs streben die Kassenärzte die Einführung einer leicht verständlichen Patientenquittung an, damit die Versicherten einen besseren Einblick in die abgerechneten Arztleistungen erhalten. Die flächendeckende Einführung ist Richter-Reichhelm zufolge bereits im kommenden Jahr möglich.Hohe StrafenDie Krankenkassen hatten vor kurzem vor einer Zunahme von Betrug und Manipulationen im Gesundheitssystem gewarnt. Ihren Angaben zufolge entsteht jährlich ein geschätzter Schaden in Milliarden-Höhe. Der Vizevorsitzende des Bundesverbandes der Innungskrankenkassen, Gernot Kiefer, sagte in diesem Zusammenhang, dass "bis zu 20 Prozent der ärztlichen Abrechnungen falsch" seien. Seiner Aussage nach könne man "nicht mehr von Einzelfällen sprechen". Parteiübergreifend kündigten führende Gesundheitspolitiker daraufhin die Verankerung einer schärferen Betrugsabwehr in der geplanten Gesundheitsreform nach der Bundestagswahl an. Ärzten droht in nachgewiesenen Betrugsfällen schon heute eine hohe Geldstrafe und der Entzug ihrer Kassenzulassung. Privatpatienten dürfen sie allerdings weiterhin behandeln.Richter-Reichhelm kritisierte die Vorwürfe der Krankenkassen als Stimmungsmache. Seiner Ansicht nach sind die Schätzungen über das Ausmaß des Abrechnungsbetruges weit überzogen. Niedergelassene Ärzte schädigten zudem bei Manipulationen nicht die Krankenkassen, sondern ausschließlich ihre eigenen Kollegen. Denn die Honorare der Ärzte stammen aus einem gemeinsamen Topf. "Bekommt ein Arzt unrechtmäßig mehr, dann bekommen andere Ärzte automatisch weniger Geld", sagte der Kassenärzte-Chef.Rechenschaft über ZuwendungenRichter-Reichhelm betonte, dass die Kassenärzte alles unternehmen, um Betrug und Manipulationen aufzudecken. So würden alle Honorarabrechnungen von den Kassenärztlichen Vereinigungen auf Plausibilität geprüft. Die Zahl festgestellter Unstimmigkeiten sei gering. So habe die Kassenärztliche Vereinigung Berlin nur bei gut einem Prozent der Abrechnungen Hinweise auf eine mögliche Manipulation festgestellt. In Berlin werden pro Quartal bis zu 75 Arztpraxen genauer untersucht. Allerdings ließe sich der Anfangsverdacht lediglich in wenigen Fällen erhärten.Um Betrug effektiver zu bekämpfen forderte Richter-Reichhelm die Staatsanwaltschaften auf, konsequenter gegen nachgewiesenen Abrechnungsbetrug vorzugehen. Obwohl die Kassenärztlichen Vereinigungen nur gravierende Missbrauchsfälle anzeigen, stellten die Staatsanwaltschaften bisher "Verfahren häufig gegen eine geringe Geldbuße ein", rügte er. Um mehr Transparenz in finanzielle Abhängigkeiten zu bringen, kann sich KBV-Hauptgeschäftsführer Rainer Hess zudem durchaus vorstellen, dass direkte Zuwendungen der Pharmakonzerne an niedergelassene Mediziner künftig in einem Rechenschaftsbericht aufgeführt werden. Gegen diese von den Krankenkassen erhobene Forderung sei im Prinzip "nichts einzuwenden".

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