Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) am Montag präsentierte – die allerdings noch mit vielen „Wenns“ verbunden ist: Bis 2030 soll Berlin demnach erst sukzessive, dann ganz auf Steinkohle für die Strom- und Wärmegewinnung verzichten können.
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Die Machbarkeitsstudie schlägt vor, stattdessen etwa mit Erdwärme, Biomasse, Solarstrom und Abwärme aus Kläranlagen und Müllverbrennung zu heizen. Das gehe allerdings nur, wenn der Bund zahlreiche und noch dazu die richtigen Stellschrauben anziehe, so Günther. Und wenn Berlin ein hybrides Gaskraftwerk baut – an dem sich schon jetzt die Geister scheiden.
Kritikpunkte am neuen Kraftwerk: Gas statt Kohle wird verbrannt
Für Verbraucher wird das Folgen haben – Fernwärmekunden müssen laut der Studie mit Mehrkosten rechnen. Bei einer ungedämmten 65 Quadratmeter-Wohnung kämen zusätzlich geschätzt bis zu 147 Euro im Jahr hinzu. 60 Prozent der Kohle soll ein neues Gaskraftwerk ersetzen, das flexibel hoch- und runtergefahren werden kann – je nachdem wie stark erneuerbare Energiequellen gerade liefern. Das neue Gaskraftwerk soll am Standort des jetzigen Heizkraftwerks Reuter in der Spandauer Siemensstadt entstehen. Der Bau sei allerdings planerisch äußerst anspruchsvoll, hieß es.
Für das Kraftwerk muss auch eine neue, 20 bis 30 Kilometer lange Gasleitung durch die Stadt verlegt werden. Noch ist die Planung unkonkret, sagte Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin, deswegen könne man keine Fragen dazu beantworten, wie teuer das Projekt wird, wer die Kosten trägt und welche Stadtteile von Bauarbeiten möglicherweise betroffen sind.
Fünf Kraftwerke verfeuern noch Kohle
Seit 2017 schon verfeuert Berlin keine Braunkohle mehr. Sie gilt als besonders klimaschädlicher Brennstoff. Jetzt soll bis 2030 in Kraftwerken auch auf Steinkohle bei Strom- und Wärmeerzeugung verzichtet werden.
In fünf Kraftwerken wird noch Kohle verfeuert: In den Vattenfall-Kraftwerken Reuter und Reuter West in Spandau, im Kraftwerk Moabit sowie in zwei Kraftwerken anderer Betreiber mit geringerem Anteil an Steinkohle.
Die fünf Steinkohlekraftwerke werden sowohl für die Strom- als auch die Fernwärmeversorgung Berlins betrieben. Insgesamt ist Kohle für 13 Prozent des klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoßes in Berlin verantwortlich.
Für Umwelt- und Klimaschützer ist das neue Kraftwerk aber schon jetzt einer der großen Kritikpunkte an Günthers Studie: Denn nach wie vor verbrennt es mit Gas einen fossilen Brennstoff – auch wenn der weniger schädlich als Kohle ist. Eine Gruppe aus verschiedenen Umweltorganisationen, darunter auch der BUND, protestierten am Montag vor dem Pressetermin am Heizkraftwerk Moabit und forderten auf Bannern: „Runter vom Erdgas!“
Berlin beschließt als erstes Bundesland den Kohleausstieg 2030
„Wir brauchen einen schnellstmöglichen Kohleausstieg vor 2030 und einen Ausstieg aus fossilen Energien bis 2030“, sagte auch Annkatrin Essen von der Grünen Jugend. Günther sagte, man habe alle Alternativen geprüft – ohne das Gas-Kraftwerk sei ein Ausstieg bis 2030 unmöglich.
Erarbeitet hat die Studie die Senatsumweltverwaltung in Zusammenarbeit mit einem Team von Vattenfall und dem Aachener BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung. Beratend beteiligt war unter anderem auch der Umweltschutzbund BUND – der äußerte sich am Montag allerdings auch überwiegend skeptisch zum Entwurf. Nach den Berechnungen der Studie werde das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu minimieren, bereits verfehlt.
Dabei müsse das Ziel nach den jüngsten Pariser Beschlüssen eigentlich ohnehin sein, die Erwärmung auf maximal 1,5 Grad zu minimieren. „Das muss die Zielsetzung sein“, sagte BUND-Sprecherin Julia Epp.
Berlin hat 2017 als erstes Bundesland den Kohleausstieg bis 2030 beschlossen. Kurz darauf wurde das letzte Braunkohlekraftwerk vom Netz genommen. Insgesamt gibt es fünf Steinkohlekraftwerke in Berlin: Die Vattenfall-Kraftwerke Reuter und Reuter West in Spandau, das Kraftwerk Moabit, sowie zwei Kraftwerke anderer Betreiber mit einem geringeren Anteil am Steinkohleeinsatz.
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