Gerd Müller

CSU-Minister überrascht mit linken Aussagen

Einen Marshallplan für Afrika? Der unbekannte Minister hat einige Gegenspieler.

Holger Schmale
2 Min
CSU-Minister Gerd Müller überrascht als Konservativer mit linken Aussagen.

CSU-Minister Gerd Müller überrascht als Konservativer mit linken Aussagen.

© imago images / Jürgen Heinrich

Schauen wir uns einmal einige seiner Äußerungen an, zum Beispiel im Spiegel, und stellen dann die nächste Quizfrage: Welcher Partei mag Müller angehören? „Die Vorschläge (für eine wirksame europäische Finanztransaktionssteuer) liegen auf dem Tisch, werden aber von den Lobbyisten der Finanzindustrie kaputtgeredet.“ (…) „Es herrscht Ausbeutung von Mensch und Natur. Bei der Herstellung von Kaffee, Kakao und Coltan gibt es sklavenartige Verhältnisse – gerade bei den Kindern. Die deutschen Firmen kennen diese Zustände genau.“ (…) „Marktwirtschaft muss sozial sein. Der freie Markt schafft das nicht. Er folgt der Gewinnmaximierung.“ (…)

„Die EU muss eine Übereinkunft zur Seenotrettung treffen. Oder wollen wir zulassen, dass das Mittelmeer endgültig das Meer des Todes wird und wir wegschauen?“ (…) „Notwendig ist eine humanitäre Initiative von Europa und Vereinten Nationen zur Rettung der Flüchtlinge auf libyschem Boden.“

Minister Gerd Müller hat so einige Nebenspieler 

Wer spricht so? Ein Linker, ein Grüner, ein Sozi? Nein, Gerd Müller (63) gehört seit Jahrzehnten der CSU an. Er gewinnt seinen Wahlkreis im Oberallgäu seit 1994 regelmäßig mit mehr als 60 Prozent der Stimmen. Dass er auch anders kann, hat er 1989 als Landesvorsitzender der Jungen Union bewiesen. Da forderte er mal eben die Todesstrafe für Drogenhändler. Doch das ist lange her und heute wäre er froh, er bekäme für seine Forderungen zur Entwicklungspolitik wenigstens genau so viel Aufmerksamkeit wie damals.

Schon lange vor der Flüchtlingskrise 2015 hat er vor dem Ansturm der Afrikaner auf Europa gewarnt, wenn sich nicht endlich etwas an den Lebensbedingungen der jungen Leute auf dem Nachbarkontinent ändert. Zugehört hat ihm kaum jemand. Schon lange fordert er einen Marshallplan für Afrika, der nicht nur den Namen, sondern auch die erforderlichen Milliarden mitbringt.

Aber er hat mächtige Gegenspieler im eigenen Kabinett: den Finanzminister, den Außenminister, den Wirtschaftsminister, die alle eigene Interessen verfolgen und sie oft besser vermarkten können als der Außenseiter Gerd Müller. Der scheut den öffentlichen Konflikt mit seinen Kollegen und leidet eher still. Doch nun hat er sich in diversen Interviews einmal Luft verschafft. Immerhin.

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