Ein einzelnes Auto parkt vor dem Flugplatz Berlin-Gatow. Der kürzlich begonnene Umbau des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr macht sich bereits bemerkbar. Nur zwei der neun Gebäude können derzeit besucht werden. Das Freigelände, etwa ein Viertel so groß wie das Tempelhofer Feld, ist bis auf die stillgelegten Flugzeuge leer.
Bald ein Vierteljahrhundert gibt es das Museum am westlichen Berliner Stadtrand. Seit 2010 dient es als Außenstelle für das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden. Nach dessen Neueröffnung vor rund sechs Jahren genehmigte das Bundesverteidigungsministerium nun auch die Modernisierung des Flugplatzes im Süden Spandaus. Ziel ist es, die Geschichte des Luftkriegs zeitgemäßer zu erzählen und mehr Raum für Ausstellungen zu schaffen.
Die einzelnen Gebäude zu sanieren werde zehn bis 15, vielleicht sogar 20 Jahre dauern, erklärt Kurator Stefan Kontra. „Mit Blick nach Schönefeld spüren wir aber keinen Zeitdruck“, meint er mit einem Seitenhieb auf den seit elf Jahren laufenden Bau des neuen Hauptstadtflughafens.
Vor Kurzem startete in Gatow die Renovierung des Hangars 3, in dem Ende März nächsten Jahres eine Übergangsausstellung zur Geschichte des Luftkriegs eröffnet werden soll. Rund 400.000 Euro werden investiert, um das Museum während des langen Umbaus offen zu halten. Ursprünglich sollte der Hangar schon im Juni fertig sein. Unerwartete Probleme mit dem teilweise porösen Boden verzögerten die Arbeiten jedoch.
Das ursprünglich als Verein gegründete Luftwaffenmuseum zog 1994 auf den Flugplatz Berlin-Gatow
Auch das separate Eingangsgebäude wird deshalb nicht wie geplant bis 2019 fertig sein. Doch es geht voran: Auf den mittlerweile fertigen Boden in der Haupthalle des Hangars 3 ist das Museum sichtlich stolz, die Verzögerung nimmt Kurator Kontra gelassen. „Es läuft alles nach Plan, solange wir die Pläne selbst ändern können“.
Das ursprünglich als Verein gegründete Luftwaffenmuseum zog 1994 auf den Flugplatz Berlin-Gatow. Mittlerweile werden hier rund 130 Flugzeuge und mehr als 600.000 weitere Exponate gelagert und ausgestellt. In Folge der Sanierungsarbeiten soll im Hangar 4 ein zentrales Museumsgebäude mit Cafeteria und Kinosaal entstehen. Die sogenannte „Zeithalle“ wird das Herzstück der insgesamt neun Hangars, von denen vier zukünftig als Ausstellungsflächen dienen.
Der frühere Wehrmachts-Flugplatz ging nach der Eroberung durch sowjetische Truppen an die Briten. Während der Berliner Luftbrücke nutzten ihn rund ein Drittel der sogenannten Rosinenbomber zur Verpflegung West-Berlins. Nach der Wiedervereinigung wurde das Gelände der Bundeswehr übergeben.
Als nächster Schritt der Neukonzipierung sollen einige Flugzeuge und Modelle im Hangar 3 aufgehängt werden, darunter eine Heinkel He 111. Der Nachbau des Weltkriegsbombers wurde zuletzt bei einer Gedenkfeier in den Niederlanden ausgestellt. Bald soll der Flieger mit Hakenkreuz am Heck den Schrecken des Luftkriegs während der Nazi-Zeit versinnbildlichen. „Die Absicht der Tötungsmaschine soll in der neuen Ausstellung stärker betont werden“, erklärt Stefan Kontra.
Zur Eröffnung der Übergangsausstellung im Hangar 3 rechnet das Museum wieder mit wachsendem Interesse
Restauriert werden die Flieger von Berufssoldaten in der Museumswerkstatt. Von einst 30 Mitarbeitern stehen aber nur noch 14 zur Verfügung. „Für das Museum fällt im Nahrungsbedarf der Bundeswehr wenig ab“, beklagt Werkstattleiter Hauptmann Thomanek. Er hätte gerne mehr Leute in seinem Team, die sich lange und gerne mit den Kriegsfliegern beschäftigen.
Die Hälfte der Flugzeuge steht wegen Platzmangels im Freien, weshalb sie umso häufiger restauriert werden müssen. Im Optimalfall werde jedes Flugzeug ein Mal pro Jahr in die Werkstatt gebracht, erklärt Thomanek. Die Haupthalle wird aber bereits seit November letzten Jahres von einer britischen Fairey Gannet A.S.4 belegt. In der kleinsten der drei Werkstatthallen wird an einer Focke-Wulf 190 gearbeitet, einem der Standardjäger in Hitlers Luftwaffe.
Zur Eröffnung der Übergangsausstellung im Hangar 3 rechnet das Museum wieder mit wachsendem Interesse. Zumindest das ursprüngliche Niveau von 70.000 Besuchern pro Jahr soll erreicht werden. (dpa)
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