Anführer der Geiselnehmer von Kisljar ist ein Dudajew-Schwiegersohn. Clans spielen in Tschetschenien bis heute eine zentrale Rolle.An der Spitze des tschetschenischen Kommandounternehmens in Kisljar steht allem Anschein nach Salman Radujew, ein Schwiegersohn des von Moskau bekämpften Präsidenten Dschochar Dudajew. Der 28jährige war bis zum russischen Einmarsch ein ranghoher Verwaltungsbeamter in Gudermes, der zweitgrößten Stadt Tschetscheniens. Ihm ergebene Rebellen erkämpften sich Ende Dezember die kurzzeitige Kontrolle über die Stadt. Im Zuge der Entmachtung seiner innenpolitischen Gegner hatte Dudajew in den letzten Jahren wichtige Ämter im Lande mit nahen Verwandten, zumindest aber Angehörigen seines Clans, besetzt. Neben Posten in Regierung und Sicherheitskräften handelte es sich vielfach um Positionen im Wirtschaftsapparat. Als besonders einträglich gelten Schaltstellen der Erdölindustrie.Die Clans haben im gesellschaftlichen Leben Tschetscheniens tiefe historische Wurzeln. Im 8. Jahrhundert zunächst oberflächlich christianisiert, nahmen die Tschetschenen später den Islam an. Freie Geschlechterverbände bildeten politische und wirtschaftliche Einheiten, zwischen ihnen tobten häufig grausame Fehden. Auch in der Sowjetära blieb diese Clan-Struktur vielfach erhalten. So repräsentierte die Mitgliedschaft eines Kolchos häufig einen der traditionellen Geschlechterverbände. Die UdSSR-Führung sah sich gezwungen, bei der Besetzung höherer Posten in der Kaukasusrepublik die Frage der Clan-Zugehörigkeit zu berücksichtigen. Nur wenn entsprechende Gegengewichte aufgebaut wurden, ließ sich Tschetschenien unter Kontrolle halten.An diese Moskauer Tradition anknüpfend, versuchte die russische Führung in den letzten Monaten, Vertreter Dudajew-feindlicher Clans in Grosny zu installieren. Deren realer Einfluß jedoch ist offenbar sehr begrenzt. +++
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