Die DDR-Gaststätte Ahornblatt ist nicht mehr vor dem Abriss zu retten: Gestern lehnte Klaus Müller, Geschäftsführer der Objekt-Marketing Gesellschaft (OMG) ab, die Entscheidung rückgängig zu machen: "Wir werden diesen Abriss vollziehen." Noch während er dies im Rathaus Mitte sagte, wurde 1 500 Meter entfernt in der Gertraudenstraße bereits das Inventar aus dem Ahornblatt geholt und die ersten Mauern im angrenzenden Küchentrakt eingerissen. Noch im Oktober soll an der Stelle mit dem Neubau eines Hotels, von 100 Wohnungen sowie Bürohäusern begonnen werden. Die OMG investiert in das Projekt rund 150 Millionen Mark. Bis zuletzt protestierten Architekten, Ingenieure und junge Künstler gegen den Abriss des einmaligen Baudenkmals. Sie warfen den Denkmalschützern und den Politikern Inkompetenz und Missachtung der DDR-Baukunst vor. Auch Ahornblatt-Architekt Ulrich Müther konnte sich nicht vorstellen, dass seine Hyparschalen-Konstruktion abgerissen wird, steht sie doch unter Denkmalschutz. "Das ist ein negatives Signal für Deutschland. Jede Betonschale, die abgerissen wird, wird nie wieder gebaut." Doch der Widerstand von Initiativen, Architekten- und Bauverbänden kam zu spät. Als sie im Januar mit Unterschriftensammlungen für die Rettung des Ahornblattes begannen, war die Entscheidung zum Abriss längst gefallen. Bund und Senat hatten sich schon vor Jahren zum Verkauf ihrer Grundstücke für 29 Millionen Mark entschieden. "Das Drama ist, dass ein so hoher Verwertungsdruck auf diesem Areal liegt", sagt Mittes Baustadtrat Thomas Flierl (PDS). Um eine geringere Bebauung zu erreichen, hatte Flierl 1998 an den Bundesfinanzminister geschrieben und eine Senkung des Grundstückspreises gefordert. Er scheiterte aber mit seinen Bemühungen. "Die Verwertungsinteressen dominierten alles. Auch der Senat hat sich nicht für den Erhalt des Ahornblattes eingesetzt." Flierl wertet das als "unterlassene Hilfeleistung". Den Vorwurf, dass der Denkmalschutz versagt hat, wies Frank Keidel von der Behörde von sich. "Senat und Abgeordnetenhaus wollten mit dem Planwerk Innenstadt kein weiteres Hochhaus auf der Fischerinsel, wie es der erste Architekten-Entwurf vorsah." Deshalb wird kleiner aber dafür breiter gebaut. Der Denkmalschutz musste sich dem öffentlichen Interesse beugen. Schon seit mehreren Jahren arbeitet Architekt Gernot Nalbach für die OMG an dem Projekt. Mit dem Hochhaus habe man Rücksicht auf das Ahornblatt genommen. "Aber die Liebhaber dieser Idee waren nicht sehr zahlreich. Indem ich anschließend weitergeplant und nicht hingeschmissen habe, bin ich an dem Abriss schuldig geworden", sagte Nalbach. Um das Ahornblatt zu erhalten, hätte die Fläche nie ausgeschrieben werden dürfen.AHORNBLATT Kampf um die Schale // "Als wir mit unserer Hochhausplanung das Ahornblatt erhalten wollten, hat uns niemand geholfen. Ich bin nicht Herr Abrissarchitekt. " Gernot Nalbach Architekt des Neubaus "Die Finanzen haben über die Politik gesiegt. Wir werden mit spontanen Aktionen bis zur letzten Minute gegen den Abriss protestieren. " Antonia Kapretz Initiative zur Rettung des Ahornblattes "Wir bedauern den Abriss, er tut uns weh. In der Gesellschaft ist zurzeit aber keine breite Akzeptanz für die modernen Bauten vorhanden. " Frank Keidel Oberste Denkmalschutzbehörde "Ich habe Angst um meine anderen 45 Schalenbauwerke. Ich werde darum kämpfen, das etwas von meinem Lebenswerk stehen bleibt. " Ulrich Müther Architekt des Ahornblattes BERLINER ZEITUNG/GEORGE KALOZOIS(5) Endzeitstimmung im Ahornblatt: Als Erstes wird das Innenleben zerstört. Gestern begannen die Abrissarbeiten.
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