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Gestrandet als Bandit: „Endlich Witwer - Über alle Berge“

Ein rüstiger Witwer findet sich recht schnell mit seinem Schicksal ab und macht sich nun zum dritten Mal auf ins Unbekannte.

Klaus Braeuer dpa
3 Min
HANDOUT - Georg Weiser (Joachim Krol) sitzt erschöpft auf dem Beifahrersitz seines Campers und trinkt ein Bier.

HANDOUT - Georg Weiser (Joachim Krol) sitzt erschöpft auf dem Beifahrersitz seines Campers und trinkt ein Bier.

© Mario Entero/ZDF/dpa

Das - ebenso wie er selbst - in die Jahre gekommene Wohnmobil führt Weiser diesmal immerhin bis nach Gran Canaria. Weil er dort sogleich um seine Autoschlüssel, Geld, Handy und Papiere gebracht wird, folgt er der Diebin bis auf eine Fähre nach La Gomera. Der vermeintliche blinde Passagier landet prompt in Untersuchungshaft, wo er auf einen strengen spanischen Polizeichef trifft. Doch Weiser gelingt die Flucht auf eine Plantage von Aussteigern (Katja Studt, Jürgen Tarrach), von wo aus er seinen Sohn Gerd (Tristan Seith) anrufen kann. Widerwillig macht der sich mit Ersatzpapieren auf den Weg zu seinem Vater.

Doch Weisers vermeintliche Retter entpuppen sich als überhebliche Nichtsnutze, die obendrein wenig von den Einheimischen halten. Da Weiser als „bandido aleman“ gesucht wird, will er sich bis zu Gerds Ankunft allein auf der Insel durchschlagen. Dabei trifft er ausgerechnet auf die Diebin Soleil (Dela Dabulamanzi), die an seinem ganzen Schlamassel schuld ist - sie ist buchstäblich als Migrantin auf La Gomera gestrandet. Beide freunden sich an, und durch sie lernt der renitente Mann ein ihm gänzlich fremdes Leben kennen.

Von mehr oder minder zufälligen Begegnungen und gar nicht so selbstlosen Auswanderern erzählt Regisseur Martin Enlen (62, „Wilsberg“) hier. Wobei das leider nicht ohne Klischees abgeht - so sprechen sowohl Polizeichef als auch Diebin erstaunlicherweise ziemlich gut Deutsch. Weisers erneut in die Geschichte eingebauter Sohn bekommt deutlich mehr Raum und endlich gute Gespräche mit seinem Papa. Überhaupt sitzen die meisten Dialoge in diesem Film sehr gut.

Joachim Król (65, „Wunderschön“) spielt in diesem Film (Buch: Sathyan Ramesh) wiederum glänzend den eigentlich ziemlich korrekten früheren Kunstrasenfabrikanten, der erneut in gehörige Turbulenzen gerät. Aber er scheint aus den Lektionen, die ihm erteilt werden, und aus früheren Fehlern zu lernen - auch seinem Sohn gegenüber. Hauptsächlich geht es beim ziemlich egozentrischen Witwer aber um die Suche nach sich selbst, bei der eine gehörige Portion bislang unterdrückter Wut eine große Rolle spielt. Immerhin scheint er jetzt seinem langjährigen Traum vom freien Leben sehr nahe gerückt zu sein.

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