Es scheint so, dass nach dem Scheitern einer Transfergesellschaft für alle von Entlassung bedrohten Airberliner wenigstens für die in Berlin Beschäftigten eine Auffanggesellschaft möglich ist. Andreas Splanemann, Sprecher von der Gewerkschaft ver.di in Berlin-Brandenburg, bewertet die Vorgänge und hofft, dass die kleine Lösung realisiert werden kann, und kritisiert die Vorgänge, die sich zuvor abspielten.
Was waren die Gründe, dass Bayern, Nordrhein-Westfalen und der Bund die große Transfergesellschaft nicht wollten?
Niemand – außer dem Land Berlin – war bereit, ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen. Das hat hauptsächlich politische Gründe, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern setzt man offenbar auf die freie Marktwirtschaft, die die Probleme regeln soll.
Sind die Gründe nachvollziehbar?
Die beteiligten Länder sind durch die Struktur von Air Berlin ganz unterschiedlich betroffen. Ich kann mir vorstellen, dass man in Bayern und NRW denkt, dass die dort stationierten Piloten und Flugbegleiter schnell einen neuen Job finden und daher eine Auffanggesellschaft nicht aus Landesmitteln mitfinanziert werden sollte. Auf Bundesebene hält man sich mit dem finanziellen Engagement zurück, dort wird die Meinung vertreten, dass die Hilfe durch die Arbeitsagentur ausreicht.
Verträgt sich die Absage mit der immer postulierten sozialen Marktwirtschaft?
Wir haben in den vergangenen Wochen gesehen, dass Erwerber ein großes Interesse an den Start- und Landerechten hatten. Die Beschäftigten spielten beim Geschacher um Marktanteile eine völlig untergeordnete Rolle. Als klar wurde, dass ein großer Teil arbeitslos wird, spielte auch bei den politischen Diskussionen das Geld für eine Transfergesellschaft die entscheidende Rolle. Der Bund, Bayern und NRW wollten nicht die notwendigen Mittel geben. Damit haben sich die meisten Akteure ihrer sozialen Verantwortung entzogen. Sie haben das unschöne Gesicht der Marktwirtschaft gezeigt, sozial ist das nicht.
Wenn kleine Firmen in Konkurs gehen, tut der Staat nichts. Warum soll der Senat hier einspringen?
Ich finde es gut, wenn der Senat die Beschäftigten in dieser Notlage unterstützt. Allein in der Berliner Zentrale von Air Berlin sind weit über 1 000 Arbeitnehmer von Arbeitslosigkeit bedroht. Bei dieser Größenordnung kann eine Transfergesellschaft eine entscheidende Hilfe sein, weil Zeit für die Vermittlung benötigt wird. Außerdem könnte auch das Land Berlin über die Transfergesellschaft dringend benötigte Mitarbeiter gewinnen. Das wäre ein Vorteil für beide Seiten. Die Arbeitsagentur hat ja auch Beratungsangebote, die bei kleineren Firmenpleiten sinnvoll in Anspruch genommen werden können.
Lufthansa sagt, sie beteilige sich nicht an einer Transfergesellschaft, weil die Übernahme von Teilen von Air Berlin kein Betriebsübergang sei. Ist das plausibel?
Ich halte dies für zynisch. Rund 1 300 Beschäftigte von Air Berlin sind ja bereits für Eurowings tätig. Lufthansa hat von Anfang an signalisiert, dass sie keinen Betriebsübergang will. Sie will neu einstellen. Dabei können sich die Airberliner zusammen mit anderen in die Schlange stellen und sich um ihre eigenen Jobs bewerben. Zu befürchten ist, dass die Lufthansa bei dieser Gelegenheit eher die jüngeren und billigeren Arbeitskräfte nimmt. Dieser Griff in die Trickkiste bringt wirtschaftliche Vorteile für die Lufthansa. Die Airberliner, die bisher eine gute Arbeit gemacht haben und den Laden am Laufen hielten, haben das Nachsehen. Daher sind wir der Auffassung, dass die Lufthansa eine nicht nur moralische Verantwortung für diesen Teil der Beschäftigten hat.
4,5 Millionen Euro bekommt Air Berlin-Chef Winkelmann trotz der Pleite bis 2021. Wie finden Sie das?
Das üppige und garantierte Honorar hat für herbe Kritik gesorgt. Dass sich Beschäftigte, die nach langjähriger Tätigkeit noch nicht mal eine Abfindung erhalten werden und in die Arbeitslosigkeit gehen, vor den Kopf gestoßen fühlen, ist mehr als verständlich. Soziale Gerechtigkeit sieht anders aus.
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