Am Mittwoch wird in der Volksbühne das Erscheinen des 20. Bands der Reihe „Digitale Bildkulturen“ im Verlag Klaus Wagenbach gefeiert, von Büchern also, die sich mit der Veränderung der Ausdrucksmöglichkeiten und des Sehens durch das Internet beschäftigen – vom Selfie über das Emoji bis zum Meme. Wir fragen Annekathrin Kohout und Wolfgang Ullrich, die diese Reihe gemeinsam herausgeben: Sie wissen so viel über die optische digitale Revolution – macht Ihnen das Freude oder Angst?
Annekathrin Kohout und Wolfgang Ullrich: Wir haben keine Angst. Es lässt sich aber nicht von der Hand weisen, dass es besorgniserregende Entwicklungen gibt. Wenn man sich mit Bildphänomenen beschäftigt, hat man es nicht nur mit der Optik zu tun. Bilder oder Videos lassen sich nur dann begreifen, wenn man neben ihrer Produktion und Rezeption auch die technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Infrastrukturen untersucht, in denen sie gezeigt, angesehen und verbreitet werden.
Da sich große Bereiche der visuellen Kultur, von der Werbung bis zur Kunst, in die sozialen Medien verlagert haben, sieht es nicht nur rosig aus. Spätestens seit Elon Musk Twitter mal eben gekauft und umbenannt hat, dürfte deutlich geworden sein, dass wir den privaten Unternehmen letztlich ausgeliefert sind. Sie benutzen zudem unsere kulturellen Energien und Daten, um ihre Produkte zu verbessern und die ohnehin vorhandenen Abhängigkeiten zu festigen. Das ist eine Gefahr für demokratische Rechtsstaaten, für die noch keine Lösung gefunden wurde.
Die Buchhändlerin sagt: Halten Sie durch! Dieses Buch wird Sie überraschen
Wir können aber auch beobachten, dass dieselben Infrastrukturen nicht nur Fluch, sondern auch Segen sind. Digitale Plattformen haben es ermöglicht, dass der gesellschaftliche Diskurs pluraler geworden ist. Mehr Menschen als jemals zuvor können sich mit Videos und Bildern ausdrücken, kreativ und aktivistisch tätig werden – nur so kann man einer Gesellschaft, die immer heterogener wird, auch gerecht werden. Jüngere Bildgenres wie GIFs, Memes und Reels sind zudem Werkzeuge, mit denen man schnell, eingängig und pointiert auf das Zeitgeschehen reagieren kann. In einer Zeit, wo sich so viel im Umbruch befindet, helfen sie uns, mit Veränderungen umzugehen, sie zu hinterfragen und sich auf Neues einzustellen. Vorausgesetzt, man besitzt eine entsprechende Medienkompetenz, zu der wir mit unserer Reihe beitragen möchten.
Gespräch und Party. Mi, 13.9., 20 Uhr, Volksbühne, Roter Salon, Eintritt 8 Euro
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