Ich war im Teenageralter, als ich diesen Beatles-Song zum ersten Mal hörte: „When I’m Sixty-Four“. Das war in den 70ern. Ich mochte ihn, mochte die Melodie, ein fröhliches Lied, wie mir schien. Mitsingen konnte ich auch bald, das ging in diesem Alter schnell, dass man irgendwas auswendig konnte. Und ich verstand natürlich die Worte, aber mit 16 war 64 weit, weit weg. Heute muss ich sagen: Der Sinn des Textes erschloss sich mir damals nicht.
Heute höre ich die Beatles kaum noch, aber kürzlich beim Geburtstag eines Freundes, der seinen 64. feierte, kam mir dieses Lied wieder in den Sinn. Liegt ja auch nahe. Jemand hatte den Text mitgebracht, ein anderer setzte sich ans Klavier und wir sangen.
Da merkte ich, es geht doch nur vordergründig um zwei Menschen, die miteinander alt werden. Nein! Es geht um den ganzen Mist, den das Altern mit sich bringt, um die Glatze, die man dann womöglich hat, („When I get older losing my hair“), um Langeweile und Altersarmut.
Das lyrische Ich, unverkennbar ein Mann, kann sich immer noch nützlich machen, singt Paul McCartney. Er empfiehlt sich, indem er verspricht, bei seiner Liebsten die durchgebrannte Sicherung zu wechseln, damit der Strom wieder fließt und sie sich wieder ihrem Strickzeug widmen kann. Später, so die Vorstellung, werden sie gemeinsam Unkraut im Garten rupfen. Nun ja. Ganz schön trist. Wir wollten es doch mal aufregender.
Rente nur Basisabsicherung – die Beatles haben es vorhergesehen
Das lyrische Ich träumt auch davon, jeden Sommer ein Ferienhaus auf der Isle of Wight zu mieten, aber eben nur, wenn es nicht zu teuer ist. Von Knapsen und Sparen („scrimp and save“) ist die Rede, so als hätten die Beatles vorhergesehen, dass der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz die gesetzliche Rente im Jahr 2026 als „Basisabsicherung“ bezeichnen würde, mit der man den gewohnten Lebensstandard im Alter nicht mehr finanzieren kann. So sad!
Man hat das alles nicht bemerkt und schon gar nicht auf sich bezogen in den eigenen jungen Jahren. Man ließ sich einlullen von der munteren Melodie und seiner arglosen Haltung, mit der man der Welt damals gegenübertrat. Jetzt, da die Zahl auch für einen selber naht, sieht man leider klarer.
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