Zugegeben, nicht jedes Berliner Denkmal trifft den Geschmack des Betrachters. Doch muss man es deswegen gleich aus dem Stadtbild verbannen? In einem Interview des aktuellen Süddeutsche Zeitung Magazins wurde der CDU-Politiker Heiner Geißler gefragt, ob es denn in Deutschland ein Denkmal gebe, das er heute gerne sprengen würde.
Seine Antwort überrascht: "Die Siegessäule in Berlin würde ich sofort sprengen. Dieses Denkmal beleidigt meinen Intellekt", so der 85-Jährige, der von 1982 bis 1985 Familienminister war. Und er geht noch weiter: "Die Goldelse oben drauf ist eine unproportionierte saublöde Figur."
Derbe Aussagen, die Geißler aber nicht nur mit seinen optischen Empfindungen begründet. Für ihn sei das Denkmal historisch gesehen überholt. "Und in der Säule sind Kanonenrohre eingelassen aus den Kriegen der Preußen gegen die Württemberger, Österreicher und Franzosen. Unten auf dem Relief schlitzt ein preußischer Ulan einem französischen Kurassier mit dem Bajonett den Bauch auf, die Gedärme quellen raus, und die Umstehenden lachen", beschreibt der ehemalige CDU-Generalsekretär im Interview mit dem SZ-Magazin. "Das steht mitten in Berlin, und kein Mensch ist in der Lage, das zu beseitigen."
Geißler, der seit 1997 immer wieder in Konflikten als Schlichter vermittelt - zuletzt beim Streit um das Bahnhofsbauprojekt Stuttgart 21 - würde es vielmehr begrüßen, wenn mehr Demokraten das Stadtbild Berlins bestimmen würden. "Gleichzeitig ist die Stadt unfähig, einen der größten Demokraten der deutschen Geschichte, Matthias Erzberger, mit einem Straßennamen zu würdigen. In Berlin gibt es Hindenburgstraßen, Moltkestraßen - aber keine Erzbergstraße", argumentiert der streitbare Politiker weiter.
Die Siegessäule im Großen Tiergarten Berlin wurde von 1864 bis 1873 als Nationaldenkmal der Einigungskriege gebaut. Sie steht unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wünschte sich bereits Frankreich ihre Sprengung, allerdings stimmten die anderen Alliierten nicht zu.
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