Bei der Verleihung der „GQ Mann des Jahres“-Awards, die am Donnerstagabend wieder in der Komischen Oper zelebriert wurde, gibt es jedes Jahr diesen Moment der vollkommenen Irritation. Alle Gäste stecken mitten in der Applausroutine: Ein Mann kommt auf die Bühne, wird zum Mann des Jahres in einer mehr oder weniger relevanten Kategorie ernannt und bekommt seinen Beifall. Dann der Nächste, dann noch einer.
Plötzlich aber steht da eine Frau und bekommt auch so eine Trophäe überreicht. Und zwar als „Gentlewoman of the Year“, einer weit gefassten Kategorie, in der sich diesmal der französische Filmstar Isabelle Huppert den Preis abholen durfte. Nach einem „Donkeschön! Vielen Donk.“ war ihr Deutsch auch schon erschöpft. Dann noch auf Englisch ein Kompliment für Berlin und schon war sie wieder von der Bühne.
Irritation um Brühls Bart
Die Redaktion um GQ-Chefredakteur José Redondo-Vega bemüht sich erkennbar, mit ihren Auszeichnungen nicht nur bisherige Erfolge zu ehren, sondern auch immer wieder Wetten auf den künftigen Karriereverlauf abzugeben. So durfte sich der in Spanien geborene Berliner Schauspieler Daniel Brühl seine Auszeichnung in der Kategorie „Film National“ (kling seltsam!) auch abholen, weil er demnächst in großen Hollywoodproduktionen wie „Captain America: Civil War“ und „Im Rausch der Sterne“ zu sehen sein wird. Er freute sich: „Dieser Preis hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen gemausert.“
Man hatte ihn aber auch erfolgreich mit einem anderen Preisträger gelockt: „Mads Mikkelsen ist ein großes Vorbild als europäischer Schauspieler.“ Die fast schon mitleidig gestellte Frage, ob sein Oberlippenbart hoffentlich zu einer Filmrolle gehört und nicht etwa eine private Geschmacksverirrung darstellt, amüsiert Brühl. „Eine Rolle. Und wenn die am 25. November abgedreht ist, wird das Ding abrasiert!“ Wir freuen uns drauf.
Für seinen Start als erfolgreicher Trainer erhielt Boris Becker den Preis in der Kategorie Sport, auch Tommy Hilfiger durfte sich über einen freuen (nach seiner Begegnung mit Lang Lang und einem Visitenkartenwechsel könnte es außerdem gut passieren, dass der Pianist demnächst in den Sachen des Designers unterwegs ist).
In der Kategorie „Engagement“ bekam der Schauspieler und Produzent Til Schweiger den Preis. Seine Laudatio hielt Gregor Gysi, der das selbst so kommentierte: „Das hat er auch verdient!“ Das von Barbara Schöneberger moderierte Unterhaltungsprogramm für die 800 Gäste bestritten Die Fantastischen Vier und Starpianist Lang Lang (sie bekamen auch einen der Preise überreicht) sowie der kanadische Rockstar und Fotograf Bryan Adams. Wobei Letzterer auch gleich noch den „Happy Birthday“-Gesang des Publikums und einen „GQ Award Musik International“ für Hits wie „Summer of 69“, „(Everything I Do) I Do It For You“ und „All for Love“ mitnahm. Er war beeindruckt: „Normalerweise habe ich an meinem Geburtstag nicht so eine Party!“
Zu langes Sitzen ist gefährlich. Im Sinne der Thromboseprophylaxe baut der verantwortungsvolle Gastgeber so einer Preisgala also mindestens eine Verleihung an einen anbetungswürdigen Veteranen der Unterhaltungsbranche ein, weil bei dem alle ergriffen zum Applaudieren aufstehen. Genau dafür war diesmal Sänger Tom Jones dabei, dem der Preis in der Kategorie „Legende“ überreicht wurde. Wobei sich Schauspielerin Katrin Sass nicht erklären konnte, warum ausgerechnet sie für seine Laudatio ausgewählt wurde. Zugesagt hat sie allerdings gern: „Ich mag seine Musik. Lauter Ohrwürmer.“
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