Der demokratische Senatskandidat Graham Platner will seine Kandidatur im US-Bundesstaat Maine zurückziehen. Der 41-Jährige reagiert damit auf den Vorwurf einer früheren Partnerin, sie im Jahr 2021 zum Sex gezwungen zu haben. Platner bestreitet die Anschuldigung. Seinen Rückzug kündigte der frühere Soldat und Austernzüchter in einer rund elfminütigen Videobotschaft an. Die Entscheidung sei ausdrücklich kein Schuldeingeständnis, sagte Platner. Zugleich griff er führende Demokraten in Washington und große Medien scharf an.
„Die Menschen in Washington müssen in Washington bleiben“, sagte Platner. Entscheidungen über seine Nachfolge dürften nicht von Personen getroffen werden, die über politischen Einfluss verfügten. Das Verfahren müsse „offen, transparent und demokratisch“ sein und den Willen der Menschen widerspiegeln, die seine Kampagne unterstützt hätten.
Platner war bei der demokratischen Vorwahl am 9. Juni als Sieger hervorgegangen und sollte bei der Kongresswahl im November gegen die republikanische Senatorin Susan Collins antreten. Maine gilt als einer der Bundesstaaten, in denen sich die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat entscheiden könnten. Die Demokraten müssen unter dem Strich vier Sitze hinzugewinnen, um die Kontrolle über die Kammer zu übernehmen.
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Frühere Partnerin erhebt schweren Vorwurf
Auslöser für den Zusammenbruch der Kampagne war ein Bericht des Nachrichtenportals Politico. Darin warf die in Maine lebende Jenny Racicot Platner vor, sie während einer zeitweise geführten Beziehung im Jahr 2021 sexuell angegriffen zu haben. Racicot sagte demnach, Platner habe sie in betrunkenem Zustand zum Geschlechtsverkehr gezwungen, obwohl sie ihn aufgefordert habe aufzuhören. Anschließend habe sie den Kontakt zu ihm abgebrochen und ihm mitgeteilt, dass die Begegnung nicht einvernehmlich gewesen sei. In einem Interview mit dem Sender CNN erklärte sie, sie sei „per Definition“ vergewaltigt worden.
Platner bezeichnete den Vorwurf als „kategorisch falsch“. Eine unabhängige gerichtliche Klärung der Anschuldigung liegt bislang nicht vor.
Nach der Veröffentlichung verlor Platner innerhalb kurzer Zeit die Unterstützung prominenter Politiker aus dem progressiven Flügel der Demokraten. Der Senator Bernie Sanders erklärte, er habe mit Platner gesprochen und ihm angesichts der „sehr ernsten Anschuldigungen“ zum Rückzug geraten. Auch der kalifornische Kongressabgeordnete Ro Khanna zog seine Unterstützung zurück. Sexuelle Übergriffe oder Gewalt gegen Frauen seien für ihn eine rote Linie, erklärte Khanna. Die Anschuldigungen gegen Platner seien „sehr ernst und glaubwürdig“.
Berater wollten versöhnlichere Abschiedsbotschaft
Nach einem Bericht von Politico war Platners Rückzug von heftigen internen Auseinandersetzungen begleitet. Mehrere seiner engsten Berater hätten ihn aufgefordert, in seiner Abschiedsbotschaft einen versöhnlichen Ton anzuschlagen und sich vor allem bei seinen Unterstützern zu bedanken. Platner habe jedoch darauf bestanden, die Parteiführung und die Medien öffentlich anzugreifen. In dem Video warf er dem „System der Konzernmedien und dem politischen Establishment“ vor, sich zu „Richter, Jury und Henker“ gemacht zu haben.
Personen in Machtpositionen nutzten die Anschuldigungen nach seiner Darstellung als Vorwand, seiner Kampagne die notwendigen Mittel zu entziehen. „Sie würden lieber Susan Collins gewinnen sehen, als mich als nächsten Senator aus Maine“, sagte Platner.
Nach Angaben von Politico nahm er das Video mehr als vier Stunden vor seiner Veröffentlichung auf. Die Kampagne habe zunächst noch ein Gespräch mit sämtlichen Mitarbeitern organisieren wollen.
Demokraten suchen neuen Kandidaten für Maine
Die Demokratische Partei in Maine hielt am Mittwoch eine Sondersitzung ab und beschloss, für den Fall des Rückzugs einen Nominierungsparteitag einzuberufen. Weniger als eine Stunde später gab Platner das Ende seiner Kampagne bekannt. Nach dem Wahlrecht des Bundesstaates kann die Partei einen Ersatzkandidaten bestimmen, wenn Platner seinen offiziellen Rückzug spätestens am 13. Juli um 17 Uhr erklärt. Der neue Bewerber muss bis zum 27. Juli benannt werden.
Mehrere Demokraten bringen sich bereits für die Nachfolge in Stellung. Der frühere Präsident des Senats von Maine, Troy Jackson, reichte nach Angaben von Politico bereits die erforderlichen Unterlagen ein. Auch Maines Innenministerin Shenna Bellows, der frühere Gesundheitsbeamte Nirav Shah und der Brauereiunternehmer Dan Kleban gelten als mögliche Bewerber.
Platner hatte verlangt, dass ihm ein Kandidat aus dem progressiven Lager nachfolgt. Er verwies darauf, dass bei der Vorwahl mehr als 150.000 Menschen für ihn gestimmt hätten. Die Parteiführung habe es jedoch abgelehnt, mit seiner Kampagne über Bedingungen für den Rückzug zu verhandeln, berichtete Politico unter Berufung auf Personen aus seinem Umfeld.
Nazi-Symbol und frühere Beiträge belasteten Kampagne
Bereits vor dem jüngsten Vorwurf war Platners Kandidatur von mehreren Affären belastet worden. US-Medien hatten alte Beiträge von ihm auf der Plattform Reddit veröffentlicht. Darin soll er unter anderem politische Gewalt gebilligt, Vergewaltigungen beim Militär verharmlost und abwertende Begriffe für Homosexuelle verwendet haben.
Auf seiner Brust trug Platner zudem eine Tätowierung mit einem Totenkopf, die dem von der SS verwendeten Totenkopf-Symbol ähnelte. Er erklärte, er habe das Motiv während eines betrunkenen Aufenthalts mit anderen Marines in Kroatien ausgewählt und dessen historische Bedeutung damals nicht gekannt.
Eine frühere Freundin widersprach dieser Darstellung gegenüber der New York Times. Platner habe Witze über die Verbindung zum Nationalsozialismus gemacht und das Motiv als „meinen Totenkopf“ bezeichnet. Platner ließ die Tätowierung nach Beginn seiner Kandidatur überdecken.
Trotz der Kontroversen hatte er die demokratische Vorwahl gewonnen. Mit populistischen Angriffen auf wirtschaftliche Ungleichheit und die politische Elite mobilisierte er vor allem jüngere und progressive Wähler. Die als Favoritin der Parteiführung geltende Gouverneurin Janet Mills hatte ihre Kampagne bereits Ende April aufgegeben.
Platners Rückzug reißt nun eine Lücke in die Strategie der Demokraten. Die Partei hatte Maine neben Alaska, Ohio und North Carolina als eine ihrer wichtigsten Chancen betrachtet, einen republikanischen Senatssitz zu erobern. Collins vertritt den Bundesstaat seit 1997 im US-Senat.
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