Ukraine-Krieg

Großbrand: Ukrainische Drohnen treffen erneut russische Raffinerie am Schwarzen Meer

Die Anlage soll die russische Armee mit Treibstoff versorgen. Es ist die dritte Attacke auf Tuapse binnen weniger als zwei Wochen. Behörden lassen Anwohner evakuieren.

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Das Ölterminal von Tuapse am Schwarzen Meer war im April wiederholt Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.

Das Ölterminal von Tuapse am Schwarzen Meer war im April wiederholt Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.

© Boris Morozov/imago

Ukrainische Streitkräfte haben in der Nacht zum Dienstag erneut die Erdölraffinerie im russischen Schwarzmeerhafen Tuapse angegriffen. Das bestätigte der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte laut der Nachrichtenagentur Ukrinform auf Facebook.

Auf dem Werksgelände seien Treffer durch Kampfdrohnen verzeichnet worden, in deren Folge ein Feuer ausbrach. Das Ausmaß des Schadens werde noch geprüft. Die Anlage in der Region Krasnodar versorge die russische Armee in der Ukraine mit Treibstoff, hieß es weiter.

Dritter Angriff binnen weniger als zwei Wochen

Die Anlage wurde im Laufe des Krieges bereits wiederholt mit Drohnen attackiert. Es ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters der dritte Angriff auf die Raffinerie innerhalb von weniger als zwei Wochen. Reuters berichtet unter Berufung auf Branchenquellen, der Betrieb sei seit einem Angriff am 16. April eingestellt, weil Schäden an Hafenanlagen den Abtransport der Ölprodukte verhinderten. Bei den bisherigen Angriffen kamen nach offiziellen Angaben mindestens drei Menschen ums Leben, eine der Attacken führte zu einem Ölaustritt ins Meer.

Tuapses Bezirkschef Sergej Bojko ordnete laut Reuters eine Evakuierung der Anwohner in der Nähe der Raffinerie an; die Menschen sollten mit Bussen in eine örtliche Schule gebracht werden. Der Gouverneur der Region Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, teilte auf dem Nachrichtendienst Telegram mit, am Brandort seien 164 Einsatzkräfte und 46 Fahrzeuge im Einsatz, die Kräfte würden weiter aufgestockt.

Das russische Regionalportal Kuban 24 berichtet, in Schulen und Kindergärten sei der Unterricht für den 28. April abgesagt worden. Die staatliche Verbraucherschutzbehörde rief die Bevölkerung laut Reuters auf, in den Wohnungen zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten.

Anwohner verärgert, Kreml verweist auf Luftabwehr

Auf sozialen Medien äußerten Bewohner nach Reuters-Angaben Verärgerung und fragten, warum die Luftabwehr nach zwei vorangegangenen Angriffen nicht verstärkt worden sei. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte bei seinem täglichen Pressegespräch, die Behörden arbeiteten „intensiv“ an der Abwehr ukrainischer Drohnenangriffe.

Auf die Frage, ob der Umweltnotstand ausgerufen oder eine Evakuierung wegen giftiger Emissionen angeordnet werde, sagte Peskow laut Reuters lediglich, es würden auf entsprechender Ebene Maßnahmen ergriffen.

Nach einem früheren Angriff am 20. April war laut dem in Amsterdam ansässigen unabhängigen Onlineportal The Moscow Times schwarzer, öliger Regen über Tuapse niedergegangen. Die Moscow Times berichtet zudem, ein Journalist des unabhängigen Mediums Kedr sei am 28. April in Tuapse von der Polizei festgesetzt worden, während er über die Umweltfolgen der Drohnenangriffe berichtete.

Das russische Verteidigungsministerium teilte demnach mit, in der Nacht zum Dienstag insgesamt 186 ukrainische Drohnen über mehreren russischen Regionen, der annektierten Krim und dem Schwarzen Meer abgefangen zu haben.

Wichtiger Standort für Diesel und Heizöl

Die exportorientierte Raffinerie Tuapse hat nach Angaben von Reuters eine Jahreskapazität von rund zwölf Millionen Tonnen oder 240.000 Barrel pro Tag und produziert unter anderem Naphtha, Diesel und Heizöl. Die von dem staatlich kontrollierten russischen Ölkonzern Rosneft betriebene Anlage beliefert hauptsächlich China, Malaysia, Singapur und die Türkei. Tuapse ist zugleich ein bekannter Badeort.

Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Energieinfrastruktur seit März verstärkt, um die Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu treffen, mit denen Moskau auch den Krieg finanziert.

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