Der frühere britische Gesundheitsminister Wes Streeting hat seine Kandidatur für den Vorsitz der Labour-Partei angekündigt. „Wir brauchen einen ordentlichen Wettstreit mit den besten Kandidaten auf dem Feld, und ich werde antreten“, sagte Streeting am Samstag bei einer Veranstaltung der parteinahen Organisation Progress in London laut der britischen BBC. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit seinem Rücktritt vor zwei Tagen.
Auf die Frage, ob er die für eine Kandidatur erforderlichen 81 Unterstützer in der Labour-Fraktion habe, sagte Streeting, er verfüge über Rückhalt in der Fraktion, ließ aber offen, ob die Schwelle erreicht sei. Für eine offizielle Auslösung eines Führungswettstreits ist die Unterstützung von 20 Prozent der 403 Labour-Abgeordneten im Unterhaus nötig. Ein solcher Wettstreit ist bislang nicht formal eingeleitet.
In seiner Rede griff Streeting Keir Starmers Führungsstil scharf an. Labour sei „unvorbereitet“ in die Regierung gegangen, was zur „frühen Katastrophe“ der Kürzung der Heizkostenzulage geführt habe. Eine „schwerfällige“ Herangehensweise habe kreative politische Ideen erstickt. Erstmals sei nicht mehr die konservative Partei, sondern Nigel Farages Reform UK Labours größter Gegner. Ohne Kurswechsel drohe eine Wahlniederlage gegen Farage.
Streeting bezeichnete zudem in seiner Rede den Brexit als „katastrophalen Fehler“ und forderte eine „neue besondere Beziehung“ zur Europäischen Union. Eines Tages solle Großbritannien wieder Mitglied der EU werden, sagte er. Die Zukunft des Landes liege in Europa.
Rücktritt aus Protest gegen Starmer nach Wahlniederlage
Streeting hatte sein Amt am Donnerstag niedergelegt und Starmer in einem Rücktrittsschreiben das Vertrauen entzogen. Er habe die Überzeugung gewonnen, dass es „ehrlos und prinzipienlos“ wäre, im Amt zu bleiben, hieß es in dem auf der Plattform X veröffentlichten Brief. „Wo wir Vision brauchen, haben wir ein Vakuum. Wo wir Richtung brauchen, haben wir Treibenlassen“, schrieb Streeting an Starmer.
Hintergrund ist eine Regierungskrise nach den Regionalwahlen vor gut einer Woche, bei denen Labour fast 1500 Kommunalmandate verlor und in Wales erstmals seit rund einem Jahrhundert die Macht abgab. Nach Zählung der BBC haben inzwischen 78 der 403 Labour-Abgeordneten Starmer öffentlich zum Rückzug aufgefordert.
Als weitere mögliche Nachfolger gelten der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, sowie die frühere Vize-Regierungschefin Angela Rayner.
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