Im Rahmen einer groß angelegten Razzia gegen eine international operierende Schleuserbande hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Mittwochmorgen zehn Verdächtige verhaften lassen. Über 1000 Beamte der Bundespolizei und der Staatsanwaltschaft waren seit den frühen Morgenstunden an dem Einsatz beteiligt. Insgesamt wurden 101 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht, darunter auch zwei Rechtsanwaltskanzleien, wie die Bundespolizeidirektion Sankt Augustin bei Bonn am Mittwoch mitteilte.
Die mutmaßliche Schleuserbande soll etwa 350 hauptsächlich chinesischen Staatsangehörigen mithilfe von Sonderregelungen für ausländische Fachkräfte gegen beträchtliche Geldbeträge Aufenthaltserlaubnisse verschafft haben. Die Razzien erstreckten sich über Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Dabei wurden auch Vermögenswerte sichergestellt, zudem wurde nach Beweismitteln gesucht.
Der Schwerpunkt der Ermittlungen lag in Nordrhein-Westfalen, wo auch die zehn Beschuldigten verhaftet wurden. Einsatzorte waren nach Angeben eines Sprechers unter anderem Solingen, Hamburg, Köln, München, Frankfurt, Düsseldorf sowie Berlin und Aachen.
Schleuser-Razzia: Zwei Rechtsanwälte sind Hauptverdächtige
Insgesamt richten sich die Ermittlungen gegen 38 mutmaßliche Bandenmitglieder und 147 weitere Personen, die geschleust worden sein sollen. Hauptverdächtige sind zwei 42 und 46 Jahre alte Rechtsanwälte aus dem Raum Köln, wie die Bundespolizeidirektion Sankt Augustin am Mittwoch mitteilte.
Diese sollen über ihre Rechtsanwaltskanzleien wohlhabende ausländische Staatsangehörige für Schleusungen angeworben haben, überwiegend aus China und dem arabischen Raum. „Mit der Aussicht auf eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis sollen die Geschleusten Beträge zwischen 30.000 und 350.000 Euro an die Kanzleien gezahlt haben“, heißt es.
Die Beschuldigten stehen demnach im Verdacht, mit dem Geld unter anderem Scheinfirmen gegründet, angebliche Wohnsitze finanziert und vermeintliche Lohnzahlungen fingiert zu haben. Darüber haben sie sich den Ermittlungen zufolge mit „nicht unerheblichen Beträgen“ selbst bereichert.
Die Aufenthaltserlaubnisse seien bei den Ausländerämtern der Städte Kerpen und Solingen sowie des Rhein-Erft-Kreises und des Kreises Düren erlangt worden, hieß es weiter. Zu den zehn verhafteten Beschuldigten gehöre auch ein Mitarbeiter des Kreises Düren, der demnach bei den Schleusungen maßgeblich beteiligt war und dafür Bestechungsgelder erhalten haben soll.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de