Während die Grünen ihre Freude über ihren Höhenflug in den Umfragen meist nur sehr verdruckst zeigen, setzt ihre Fraktionschefin im Bundestag Renate Künast ein Zeichen: Sie wird gegen den Sozialdemokraten Klaus Wowereit im Herbst 2011 antreten, um ihn als Regierenden Bürgermeister von Berlin abzulösen. Das haben viele Kommentare wohlwollend aufgenommen. So auch die sonst eher grünen-kritische Berliner Morgenpost: "Renate Künast ist eine ernstzunehmende Gegnerin. Sie kennt Berlin, lebt sie doch seit 33 Jahren in der Stadt. Die Kommunalpolitik ist ihr nicht fern, war sie doch viele Jahre Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus."Die Landeszeitung aus Lüneburg glaubt gar, die Kandidatur Renate Künasts gegen den Regierenden Bürgermeister Berlins belege, "dass die Grünen den nächsten Schritt weg von der Nischen- hin zur mittelgroßen Volkspartei gehen wollen." Und hält das für einen logischen, ja einen richtigen Schritt. Denn: "Gelingt der Coup, stellen die Grünen erstmals eine Landeschefin - die Republik wäre ergrünt."Als Euphoriebremse erweist sich dagegen wieder einmal die tageszeitung, deren Kommentar mit den Worten beginnt: "Renate Künast lässt sich herab, Spitzenkandidatin der laut Umfragen stärksten Partei in Berlin zu werden. Vor einem Jahr wäre es ein echtes Risiko gewesen. Heute wirkt ihre Kandidatur fast wie ein Selbstläufer." In der Stadt herrsche angesichts des Durchwurstelns der rot-roten Regierung schlicht Langeweile, und das sei die beste Grundlage für eine Wechselstimmung. Es gehe nicht darum, dass jemand alles anders macht. Sondern, dass es mal jemand anderes mache. Da sei "Renate Künast die perfekte Kandidatin. Die hat zwar noch kein erkennbares Programm für die Stadt, aber das ist zweitrangig. Da der Wähler weder viel ändern kann noch will, bleibt ihm die Lust, die Regierung zu stürzen. Und durch etwas Neues, noch nie Dagewesenes zu ersetzen: eine grüne Regierende Bürgermeisterin. Das füllt zwar nicht die leeren Kassen, aber es ist sexy, dabei gewesen zu sein."Auch beim Berliner Tagesspiegel hält sich die Begeisterung für Künasts Kandidatur in engen Grenzen: "Die Frage ist, ob es über das sicher reizvolle persönliche Kräftemessen hinaus auch politisch Relevantes gibt. Was wäre anders, würde statt Wowereit Künast regieren, einmal abgesehen von ein paar Autobahnkilometern mehr oder weniger? Die Welt würde sich wieder einmal für einen kurzen Moment der Zeitgeschichte umdrehen nach Berlin: Was für eine interessante Hauptstadt, erst ein schwuler Bürgermeister, jetzt eine Grüne! Und dann?" Gut sei die Kandidatur vor allem für die CDU, stellt der Kommentar ironisch fest, "denn es ist fast egal, wen die Christdemokraten nominieren". Der Zweikampf Künast versus Wowereit werde alle Aufmerksamkeit absorbieren.Magnolia14 hingegen meint in dem Blog schmetterlingsgeschichten.blog.de zu Künasts Kandidatur: ",Das ist dort doch sowieso nur reine Entertainment-Politik!', kicherten die Schmetterlinge und knabberten lecker Zuckerwatte. KnirschKnirschKnirsch." Daniel Haufler
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