Wenn junge Schildkröten ihre Nester am Strand verlassen, steht ihnen ein langer Weg bevor. Wer das Meer erreicht, ist einigen tierischen Feinden erstmal entkommen – und auch den Blicken neugieriger Forscher: In den ersten Jahren verschwinden die Schildkröten quasi vom Radar, es ist nur wenig darüber bekannt, wo sie diese Zeit verbringen. In der Wissenschaft ist der Zeitraum unter dem Begriff „lost years“ bekannt, die verlorenen Jahre.
152 Tage über Satelliten verfolgt
Um die Wissenslücke zu schließen, zogen die Forscher um die Biologin Katherine Mansfield von der University of Central Florida 21 Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas), die am Strand von Florida geschlüpft waren, zunächst für einige Monate in einer Forschungsstation auf. Sie klebten den Tieren später solarbetriebene Tracker auf die Panzer und brachten sie dann zurück in den Atlantischen Ozean. Über Satelliten verfolgten die Forscher die Jungschildkröten bis zu 152 Tage.
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Die Auswertung der Daten zeigte, dass die Tiere zügig die Küstenregion verlassen und in Richtung offenes Meer schwimmen, in Gebiete, mit einer Wassertiefe von mehr als 200 Metern. Dort bleiben sie oft an der Wasseroberfläche, was die Forscher feststellen konnten, weil die Solarzellen auf den Schildkrötenpanzern fast immer voll aufgeladen waren. Diese beiden Verhaltensweisen hatten die Wissenschaftler erwartet.
Nicht alle schwimmen in die Sargassosee
Überrascht waren sie davon, dass sich etliche Schildkröten längere Zeit in den Gewässern der Sargassosee aufhielten – ein Meeresgebiet östlich der Küste Floridas. Dies ist für die Forscher interessant, weil sie bisher davon ausgingen, dass sich die Schildkröten vor allem passiv treiben lassen. Der Golfstrom und andere Meeresströmungen der Region hätten die Tiere allerdings an der Sargassosee vorbeigeführt – die Tiere hatten also den Strömungsverlauf aktiv verlassen. Die neue Beobachtung deckt sich mit Daten früherer Studien mit Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta), die sich ebenfalls zum Teil in der Sargassosee aufhalten.
Und sie bewegen sich doch – Schwämme kriechen über den Meeresgrund
Die Sargassosee ist benannt nach den vielen Braunalgen der Gattung Sargassum, die als große Matten an der Meeresoberfläche treiben. An und in diesen Sargassum-Wäldern halten sich die jungen Schildkröten auf. Wie lange sie in dem Meeresgebiet bleiben, und warum nicht alle dorthin schwimmen, ist bisher unklar. Das wollen die Forscher in weiteren Untersuchungen herausfinden. (dpa/fwt)
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