AfD-Erfolg in Thüringen

Grünen-Mitgründer warnt Merz: Wer uns zum Hauptgegner macht, treibt die Union nach rechts

Vor wenigen Tagen diskutierten Ralf Fücks und Friedrich Merz über die Konkurrenz von Grünen und CDU. Mittlerweile zeigt sich Fücks ernüchtert vom Kurs der Konservativen.

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Zumindest in Sachen Tierliebe scheint Einigkeit zu herrschen zwischen CDU-Chef Merz (l.) und dem Grünen Fücks. Das Bild entstand beim CDU-Grundsatzkonvent.

Zumindest in Sachen Tierliebe scheint Einigkeit zu herrschen zwischen CDU-Chef Merz (l.) und dem Grünen Fücks. Das Bild entstand beim CDU-Grundsatzkonvent.

© Michael Kappeler/dpa

Erst vor Kurzem war Ralf Fücks zu Gast beim Grundsatzkonvent der CDU. Die Christdemokraten hatten den Grünen-Vordenker eingeladen, um mit Parteichef Friedrich Merz ein Streitgespräch zu führen. Und Fücks redete den Konservativen ins Gewissen: Zwar müsse sich die CDU natürlich von den Grünen abgrenzen. Allerdings dürfe sie dabei nicht die Brücken zu seiner Partei abbrechen. „Die AfD ist Gegner, die Grünen sind Ihr potenzieller Koalitionspartner“, sagte Fücks.

Seit seinem Auftritt im Konrad-Adenauer-Haus sind noch keine zwei Wochen vergangen, und schon zeigt sich der 71-Jährige enttäuscht von den jüngsten Äußerungen des CDU-Vorsitzenden. „Kritik an der Regierung ist die Pflicht der Opposition“, sagte Fücks der Berliner Zeitung. „Aber sich auf die Grünen als Hauptgegner einzuschießen, treibt die Union weiter nach rechts und brennt die Brücken für eine mögliche Koalitionsbildung ab.“

Angesichts des AfD-Erfolgs bei der Landratswahl im thüringischen Sonneberg hatte Merz am Montag einen schärferen Kurs gegen die Grünen angekündigt. Sie seien „dafür verantwortlich, dass diese Polarisierung um die Energiepolitik, um die Umweltpolitik in dieser Weise entstanden ist“. Merz schlussfolgerte, dass die Grünen deshalb „auf absehbare Zeit die Hauptgegner in dieser Bundesregierung“ seien. Unter anderem warf er ihnen eine „bevormundende, moralisierende Außenpolitik“ vor.

Vor dem Hintergrund, dass die CDU in mehreren Bundesländern gemeinsam mit den Grünen regiert, ist der Kurs von Merz durchaus bemerkenswert. Nicht zuletzt hätte eine schwarz-grüne Koalition im Bund auch in der CDU Sympathisanten. Darüber hinaus wird derzeit ausgiebig diskutiert, welchen Anteil die Union am Höhenflug der AfD in den Umfragen und an ihrem Erfolg in Sonneberg hat.

„Angesichts des Auftriebs der AfD ist es ein Spiel mit dem Feuer, die Polarisierung innerhalb der demokratischen Mitte zu forcieren“, sagte Fücks. „Die CDU sollte besser mit den Grünen in einen Wettbewerb um die besseren Lösungen in der Klimapolitik eintreten und ihr Profil als Partei der sozial-ökologischen Marktwirtschaft schärfen. Da besteht viel Nachholbedarf.“

Fücks ist Gründer und Geschäftsführer der Denkfabrik Zentrum Liberale Moderne. Zuvor war er mehr als zwei Jahrzehnte lang Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. In seiner parteipolitischen Karriere war Fücks unter anderem Senator und Bürgermeister in Bremen sowie Co-Vorsitzender im Bundesvorstand der Grünen. Er ist Mitgründer seiner Partei.

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