Wenn einer eine Reise tut, kann er 'was erzählen. Touristen sind mitteilsam. Gern hinterlassen sie auch in den besuchten Orten Spuren ihrer Visite. Wer kennt sie nicht, die mit dem Taschenmesser eingravierten geschmackvollen Herzchen auf dem Aussichtsturm? Oder die sinnige Inschrift "Ich war hier" auf dieser oder jener Sehenswürdigkeit? Reisende wollen ihre Tour dokumentieren - vielleicht wird's für die Nachwelt ja mal wichtig, zu wissen, wo und wie K.M.oder B.U. ihre Urlaubstage verbrachten.Auch die East Side Gallery, das wohl berühmteste Stück Berliner Mauer, macht da keine Ausnahme. Dass diese ein Touristenmagnet ist, kann man an Ort und Stelle sehen. Mit Filzstift und Farbspray haben Besucher ihre Grüße auf dem bemalten Mauerwerk hinterlassen: Dani und Ester aus Spanien kamen 2005 hierher, ebenso Harith Amsyar aus Brunei, Pedro aus Brasilien und Stefano aus Rom. Es gibt ernsthafte Botschaften wie "One world, one people, no more walls" oder "We must fight for freedom", und weniger philosophische wie "Sachsen, wo die schönen Mädchen wachsen". Man merkt: Die Welt ist in Berlin zu Gast, und das ist gut so.Schade nur, dass die Besucher sich anscheinend besonders gern gerade auf jenen 40 der 114 Bilder verewigen, die im Jahr 2000 aufwändig saniert wurden. Die auf dem Boden platzierten Metallschilder, die in Deutsch und Englisch um Respekt vor dem denkmalgeschützten Mauerwerk bitten, werden ignoriert. Mag sein,dass das zu einem lebendigen Kunstwerk gehört. Eventuell ist es aber auch ein Hinweis darauf, dass etwas fehlt: ein Gästebuch, wie es nahezu jede Galerie hat. Vielleicht ließe sich dafür ja auf einem unbemalten Mauerstück am Ort noch ein Plätzchen finden.
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