Krieg lässt sich vermeiden, wenn in benachbarten Staaten Verwandte regieren. Nach dieser Devise haben Adelshäuser lange Zeit Politik gestaltet. Eine ähnliche Strategie verfolgen offenbar auch Flachlandgorillas, wie Forscher im Fachmagazin Current Biology berichten.Brenda Bradley und ihr Team vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben die Verwandtschaftsverhältnisse bei Flachlandgorillas an der Grenze zwischen der Zentralafrikanischen Republik und der Republik Kongo untersucht. Diese Tiere unterhalten ungewöhnlich friedliche Beziehungen zu ihren Nachbarn. Wenn sich zwei Gruppen treffen, nehmen die führenden Männchen, die Silberrücken, kaum Notiz voneinander. "Berggorillas reagieren in solchen Situationen meist viel aggressiver", berichtet Brenda Bradley. Deren Männchen versuchen, sich mit Brusttrommeln und anderen Drohgebärden gegenseitig einzuschüchtern und kämpfen häufig miteinander. Der Grund für die unterschiedliche Außenpolitik liegt offenbar in den abweichenden Sozialstrukturen. Fast alle Gruppen der Flachlandgorillas werden von nur einem Silberrücken geführt. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit Vater des gesamten Nachwuchses der Gruppe ist. Alle Männchen einer Generation sind also zumindest Halbbrüder. Etwa mit acht Jahren verlassen diese Männchen die Gruppe und gründen ihren eigenen Harem in der Nähe. In der Region gibt es also ein Netzwerk verwandter Herrscher. Bei Berggorillas leben in einer Gruppe meist mehrere Silberrücken. Verwandte gibt es also eher innerhalb der eigenen Gruppe; die anderen Gruppen sind dagegen fremd. (kv.)Current Biology, Bd. 14, S. 510
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