Skurriler Wettbewerb

„Hässlichster Hund der Welt“: Dieser Mops gewinnt 5000 Dollar

Ein Wettbewerb in Kalifornien feiert Hunde, die anders aussehen. Bei der Siegerin ist das Aussehen allerdings kein Zufall, sondern Rassestandard – und in Deutschland verboten.

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Mops-Hündin Jinny Lu beim World

Mops-Hündin Jinny Lu beim World's Ugliest Dog Contest am 14. August 2026 in Santa Rosa: Die aus Südkorea gerettete Hündin gewann den Titel und 5000 Dollar Preisgeld.

© IMAGO/Tayfun Coskun

Der Mund schließt sich nicht, die Zunge hängt seitlich heraus, die Augen stehen weit vor: Mit diesem Gesicht hat die Mops-Hündin Jinny Lu den Titel World's Ugliest Dog gewonnen. Ihre Besitzerin Michelle Grady bekommt dafür 5000 Dollar.

Gekürt wurde die Hündin am Freitagabend Ortszeit auf der Sonoma County Fair im nordkalifornischen Santa Rosa. In Deutschland war es da bereits Samstagmorgen.

Gefunden in einer Holzkiste in Südkorea

Jinny Lu wurde nach Darstellung der Veranstalter bei Frost in einer Holzkiste in den Bergen Südkoreas entdeckt, vermutlich für den Schlachthof bestimmt. Tierschützer der Organisation Pug Rescue of Korea brachten sie in die USA.

Heute lebt sie im Pug Hotel in Rohnert Park, einem Gnadenhof für alte und traumatisierte Möpse, den ihre Besitzerin leitet. Im vergangenen Jahr wurde Jinny Lu Zweite, diesmal reichte es für ganz oben.

Pinky und Otto: die Plätze zwei und drei

Der zweite Rang ging an den zehnjährigen Pinky, eine Mischung aus Chihuahua und Zwergspitz. Der Albino-Hund mit riesigen rosa Ohren holte bei seiner ersten Teilnahme 3000 Dollar.

Dritter wurde der zweijährige Chihuahua-Mischling Otto aus Oklahoma, geboren mit einer beidseitigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Für sein schiefes Grinsen gab es 2000 Dollar.

Bewertet wurden Aussehen, Persönlichkeit und Publikumsreaktion. Auf die Siegerin wartet zudem ein Auftritt im Morgenmagazin des Senders NBC in New York.

Pinky auf der Bühne des World

Pinky auf der Bühne des World's Ugliest Dog Contest in Santa Rosa: Der zehnjährige Albino-Mischling aus Chihuahua und Zwergspitz belegte den zweiten Platz und gewann 3000 Dollar.

© IMAGO/Tayfun Coskun

Der Unterschied, den der Wettbewerb nicht macht

„Advocate, Adopt, Adore“ lautet das Motto der Veranstaltung, die seit fast 50 Jahren stattfindet. Es gehe nicht darum, die Tiere vorzuführen, erklären die Organisatoren; gezeigt werden sollten ihre liebenswerten Seiten. Die meisten Teilnehmer stammen aus Tierheimen.

Zwischen den drei Siegern liegt allerdings ein Unterschied, den die Bühne einebnet. Ottos Gaumenspalte und Pinkys Albinismus sind Zufälle der Natur, Einzelfälle.

Das Gesicht von Jinny Lu ist keiner. Es ist der Rassestandard. Ein Mops soll so aussehen.

Was in Kalifornien prämiert wird, heißt in Deutschland Qualzucht

Der Mops gehört zu den brachyzephalen, also kurzköpfigen Rassen. Die Bundestierärztekammer beschreibt in ihrem Qualzuchtgutachten die Folgen: verengte Atemwege, Atemnot schon in Ruhe, gestörte Wärmeregulierung, Fehlstellungen im Gebiss.

Die Zucht solcher Tiere ist in Deutschland seit 1986 verboten, geregelt in Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes. Nur benennt das Gesetz keine konkreten Merkmale, weshalb Veterinärämter das Verbot kaum durchsetzen können.

Daran ändert sich vorerst wenig. Die fünfte Novelle des Tierschutzgesetzes, seit dem 9. Juli 2026 im Bundestag, regelt Videoüberwachung in Schlachthöfen. Die Merkmalsliste mit erblich bedingter Blindheit, Taubheit und Atemnot, die eine frühere Fassung vorsah, fiel dem Ende der Ampelkoalition zum Opfer.

Konkreter wird es über Brüssel: Die Cats-and-Dogs-Verordnung vom 28. April 2026 untersagt eine Zucht auf übertriebene Merkmale mit Gesundheitsrisiken. Gelten soll sie ab 2028.

62 Welpen im Jahr – und trotzdem überall

Wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen, zeigt die Welpenstatistik des Verbands für das Deutsche Hundewesen. Der VDH lässt Möpse und Französische Bulldoggen nur nach tierärztlichen Belastungstests zur Zucht zu.

2024 kamen bundesweit 152 Mopswelpen mit VDH-Papieren zur Welt und 62 Französische Bulldoggen. 2010 waren es beim Mops noch 719.

Beim Haustierregister Tasso landete die Französische Bulldogge 2025 trotzdem auf Platz sechs der meistregistrierten Rassen. Fast jede Bulldogge, die durch Berlin läuft, stammt also aus einer Zucht ohne Belastungstest, aus dem Ausland oder aus dem Handel im Netz.

In Berlin ist die Bulldogge auf Platz drei

In der Hauptstadt liegt die Rasse laut einer Auswertung des Vergleichsportals Check24 auf Platz drei der beliebtesten Hunde, hinter Labrador und Chihuahua. Denselben flachen Schädel wie der Mops hat sie auch.

Loriot hat der Rasse einst den Satz gewidmet, ein Leben ohne Mops sei möglich, aber sinnlos. Jinny Lu bekommt jetzt ihren Auftritt im US-Frühstücksfernsehen. Die Frage, warum sie so aussieht, wird dort niemand stellen.

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