Der umjubelte Joker des zurückliegenden Spieltages in der Bundesliga heißt Niclas Füllkrug von Hannover 96. Beim Auswärtsspiel in Augsburg wechselte 96-Trainer Andre Breitenreiter den Stürmer nach 65 Minuten ein. Der dankte für das Vertrauen und schoss zwei Tore, die zum 2:1-Sieg von Hannover reichten. Der Angreifer hört auf den schönen Spitznamen „Lücke“ und füllte die des Jokers glänzend aus.
Auch Herthas Coach Pal Dardai war froh über seine drei Einwechslungen beim 1:1 in Freiburg. Ab der 46. Minute kam Davie Selke, ab der 57. Minute Valentino Lazaro ins Spiel und ab Minute 74 der junge Arne Maier, „an dem wir noch viel Spaß haben werden“, so Dardai. Zwar tat sich keiner der drei „Joker“ als Torschütze hervor, aber alle besaßen gehörigen Anteil am Remis. Maier holte den ersten Elfmeter für Hertha heraus, Selke den zweiten, den Salomon Kalou verwandelte. Auch Lazaro brachte neuen Schwung ins lange zähe Spiel der Berliner.
Ha-Ho-He
Michael Jahn war mehr als zwanzig Jahre als Hertha-Reporter der Berliner Zeitung am Ball. Noch immer verfolgt er genau den Weg des populärsten Berliner Fußballvereins. Jede Woche widmet sich Jahn an dieser Stelle in seiner Kolumne Ha-Ho-He den Ereignissen rund um den Ball.
Ich finde es wichtig, dass in Selke und Lazaro Zugänge des Sommers eine gute Rolle als Einwechsler spielten und in Maier ein klubeigenes Talent immer besser wird. Selke und Lazaro sehe ich sowieso auf dem Weg in die künftige Stammelf. Und auch Maier scheint nicht mehr lange von einem Einsatz in der Startelf entfernt.
Bisher tat sich in dieser Saison bei Hertha kein Profi als exzellenter Joker hervor wie etwa Füllkrug bei Hannover. „Meine Wechsel hatten bislang nicht solch einen Effekt, wie gewünscht“, gab Dardai zu. In den neun Liga-Auftritten hat Dardai 24 Mal gewechselt und nur in den Spielen in Dortmund (0:2), gegen Bremen (1:1) und in Mainz (0:1) das Wechselkontingent nicht ausgeschöpft. Mit vier Einwechslungen liegt der Japaner Genki Haraguchi an der Spitze.
„Ist es ein Gesetz in Berlin, dass ein Trainer auswechseln muss?“
Ich erinnere mich mit Grausen an ein Zitat des ehemaligen Hertha-Trainers Friedhelm Funkel aus der Saison 2009/10. Funkel ging im Abstiegskampf äußerst sparsam mit Einwechslungen um und wurde deshalb von uns Journalisten nach den Gründen gefragt. Er antwortete bissig: „Ist es ein Gesetz in Berlin, dass ein Trainer auswechseln muss?“
Herthas letzter starker Joker war wohl Julian Schieber, der leider noch immer verletzt ist. Im August 2016 brachte Dardai den Stürmer im Heimspiel gegen Freiburg in der 85. Minute. In der fünften Minute der Nachspielzeit schaffte Schieber den 2:1-Siegtreffer. Dieser Erfolg trug die Mannschaft lange durch die Saison. Das Joker-Tor wurde zum Schlüsselerlebnis.
Ein Joker oder ein Profi
In der Bundesliga führt Angreifer Nils Petersen aus Freiburg die Hitliste der Joker an. Bei 60 Einwechslungen schaffte er stattliche 20 Treffer. Auf den Plätzen 2 und 3 stehen Alexander Zickler (FC Bayern/18 Tore bei 102 Einwechslungen) und Claudio Pizarro (Bremen, Köln) mit 16 Toren bei 117 Einwechslungen. Ein Hertha-Profi ist nicht unter den Top-Ten dieser Liste zu finden.
Aber egal: ob nun ein Joker Tore schießt oder ein Profi, der in der Anfangself steht, ist mir egal. Hauptsache, Hertha trifft wieder häufiger und kann viele Punkte sammeln. Ein schönes, spätes Joker-Siegtor im DFB-Pokal gegen Köln wäre aber schon eine tolle Sache. Und eine emotionale Angelegenheit.
Darauf ein kräftiges Ha-Ho-He!
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