Handball-EM

Mal gelobt, mal kritisiert: Juri Knorr ist und bleibt der Schlüssel zur Medaille

Der Spielmacher sah sich nach starker Vorrunde plötzlich großer Kritik ausgesetzt. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der 23-Jährige wehren muss.

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Juri Knorr ist Lenker und Denker sowie Anführer der deutschen Handballer, aber auch ein sensibler Familienmensch.

Juri Knorr ist Lenker und Denker sowie Anführer der deutschen Handballer, aber auch ein sensibler Familienmensch.

© Eibner/imago

Vielleicht war es beim klaren 33:28-Sieg gegen Ungarn mal ganz gut, dass nicht Juri Knorr nach der Partie im Mittelpunkt stand. Gut für die Mitspieler, aber noch besser für Knorr selbst. In den bisherigen zwei Wochen der Handball-Europameisterschaft im eigenen Land hat der 23-Jährige schon alle Gefühlslagen durchlebt. In der Vorrunde war er bei den deutlichen Siegen gegen die Schweiz und Nordmazedonien noch der gefeierte Held, nach dem schmeichelhaften und glücklichen Unentschieden gegen Österreich und zuvor gegen Island plötzlich der Sündenbock, der sich für seine Leistung rechtfertigen musste.

Stefan Kretzschmar und Pascal Hens kritisieren Juri Knorr

Unter anderem hatten die früheren Nationalspieler Stefan Kretzschmar und Pascal Hens in der Nachbetrachtung kritische Töne angeschlagen, die auch Knorr mitbekommen hatte und die ihn beschäftigten. „Das ist persönlich nicht meine Berufung, so viel über andere Menschen, über Spieler zu reden. Sie wissen, dass mich das trifft, weil ich die Jungs auch kenne und schätze“, sagte der Spielmacher der Rhein-Neckar Löwen.

Diese Kritik ist die Kehrseite für einen Spieler mit seinen Anlagen. Für einen Handballer, dessen Spinmove um den Gegenspieler eher an einen Basketballer erinnert, dessen Anspiele an den Kreis oft spektakulär, aber eben auch immer mit einem gewissen Risiko verbunden sind und dessen viele Wurfvarianten eine große Gefahr für die gegnerischen Torhüter darstellen. Misslingen ihm an einem Tag mal mehrere Dinge, fällt das besonders auf, werden die kritischen Stimmen ganz schnell lauter. So wie vor der EM 2022, die er verpasste, weil er sich damals nicht gegen Corona hatte impfen lassen und dafür öffentlich rechtfertigen musste.

Schlagzeilen lassen Juri Knorr „nicht unberührt“

Damalige Beschimpfungen gingen am Sohn des ehemaligen Nationalspielers Thomas Knorr nicht spurlos vorbei. Die Schlagzeilen und Kommentare hätten den sensiblen Familienmenschen „nicht unberührt gelassen“, wie er mit Abstand erzählte. Mit Kritik kann Juri Knorr umgehen, doch müsse man in den Spielen gegen Island und Österreich und einfach generell das große Ganze sehen. Der 23-Jährige war in beiden Partien nicht im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen und reagierte vielleicht auch deshalb etwas sensibler auf die kritischen Worte.

Gegen Ungarn hat Juri Knorr schon wieder besser ausgesehen, traf vier seiner fünf Würfe und wurde diesmal von Julian Köster überstrahlt. Auf dem Weg zur Medaille aber wird viel von Juri Knorr abhängen. Auch das ist das Los seines unübersehbar großen Talents.

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