Christoph Hein setzt sich jeden Morgen an seinen Schreibtisch und blickt aus dem Fenster in die Welt. Er ist kein Leuchtturmwärter, kein Geheimagent, sein Beruf hat viele Namen: Schriftsteller, Autor, Dichter, Übersetzer, Essayist, Dramatiker. Wie ein Beamter sitzt er an seinem Platz und erfüllt eine selbstgestellte Pflicht. Ein Duell mit dem Vergessen. Er schreibt nieder, was vergessen werden könnte. „Macht erlaubt sich keine Historie, läßt den Sinn für Geschichte verkümmern, da sie allein besorgt ist, Anspruch und Erhalt ihrer Herrschaft zu sichern.“ Könige lassen Paläste bauen, Städte und Plätze nach ihrem Sinn, um Vergangenheit zu besetzen wie Ländereien. Die Machtlosen brauchen das Gedächtnis, daran können sie Halt finden.
Chronist unserer Zeit
Hans-Eckardt Wenzel: Grußadresse für meinen Freund Christoph Hein zum 80. Geburtstag
Christoph Hein hält sich die Welt erzählend auf Abstand. Er nähert sich ihr erzählend an – ihren Ungerechtigkeiten, ihren Lügen, den Phänomenen des Unsinns.
Hans-Eckardt Wenzel
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Der Schriftsteller Christoph Hein in seinem Haus in Havelberg
© Markus Wächter/Berliner Zeitung