Hans-Norbert Gast macht Musik im Schlosspark Rheinsberg / Schlösserstiftung ist dagegen

Nach dem zweiten Lied kommt der Wachmann

Marcel Gäding
3 Min

RHEINSBERG. Hans-Norbert Gast meint es gut. Sonnabends und sonntags nimmt er sich seinen Leierkasten. Mit der fahrbaren Drehorgel stellt sich der 48-Jährige in den Park von Schloss Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin), meist hinter eine Hecke. "Weil mich die Leute nicht gleich sehen sollen", sagt er. Mit klassischen Titeln von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder Peter Tschaikowski will Hans-Norbert Gast für Atmosphäre in der Grünanlage entlang des Rheinsberger Sees sorgen.Sein Ansinnen, Spaziergänge von Parkbesuchern musikalisch zu untermalen, stößt allerdings bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten nicht auf Gegenliebe. Seit Februar verweisen sie den Versicherungskaufmann immer wieder des Parks. "Meist kommt nach dem zweiten Lied ein Wachmann und bittet mich zu gehen", sagt Gast.Der gebürtige Rheinsberger musiziert seit gut drei Jahren im Schlosspark mit einem Leierkasten, den er sich in Göttingen bauen ließ. "Als ich 1987 zur 750-Jahr-Feier in Berlin war und die Leierkastenmänner sah, wusste ich, dass ich auch solche Musik machen möchte", sagt Gast. Weil ein Leierkasten aber so viel kostet wie ein Mittelklassewagen, sei er erst 1997 dazu gekommen, sich ein Instrument anfertigen zu lassen. Mit der Drehorgel zog er zunächst durch die Rheinsberger Straßen, bevor er den Schlosspark als Ort seiner Auftritte entdeckte. "Alle sprechen von Rheinsberg als Musikstadt", sagt Gast. "Warum soll man dann nicht auch Musik im Park machen können?" Ihm komme es nicht darauf an, nebenher Geld zu verdienen. "Ich will einfach nur Leute begeistern."Doch Gast macht sich eigentlich strafbar, wenn er im Schlosspark steht und musiziert. Denn die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hat ihm untersagt, Musik zu machen, weil es gegen die Parkordnung verstößt. Zwei Schreiben belegen es Gast schwarz auf weiß. Darin heißt es, dass die Besucher des Schlossparks in aller Ruhe spazieren gehen sollen. Seit kurzem weisen sogar Schilder am Eingang des Parks darauf hin. "Die wurden erst seit dem Ärger mit der Stiftung aufgestellt", sagt Gast. Besonders verwunderlich sei, dass der Satz "Im Interesse der Ruhe und Erholung ist es im Park nicht gestattet, Musik zu spielen!" besonders groß gedruckt wurde. Jegliche Versuche Gasts, nun eine Sondergenehmigung zu bekommen, scheiterten bisher. "Ich verstehe nicht, warum der Mann keine Musik machen darf", sagt Touristin Renate Apitzsch aus Leipzig. "Als Besucher fühlen wir uns nicht belästigt." Das Gegenteil sei der Fall. "Zunächst waren wir sehr überrascht, die Musik zu hören", sagt die Rentnerin. Später sei sie mit ihrem Mann den Klängen gefolgt. Auch Ingrid Neie aus Oranienburg ist von Gasts Musik angetan. "Sie klingt hervorragend."Bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten wollte sich am Freitag niemand äußern. Auf Nachfrage hieß es lediglich, dass der Inhalt der Schreiben an Herrn Gast weiterhin Standpunkt der Stiftung sei. Hans-Norbert Gast hingegen lässt sich davon nicht beeindrucken. "Ich komme immer wieder, auch wenn es verboten ist."BERLINER ZEITUNG/GEZETT Hans-Norbert Gast macht seit drei Jahren Musik im Schlosspark.

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