Harry K. vor Gericht - es war eine Verzweiflungstat

Das eigene Haus in die Luft gesprengt

Katrin Bischoff
3 Min

POTSDAM. Gerade als Andreas M. nach Hause gekommen war, das Auto in den Carport gestellt hatte und ausgestiegen war, erschütterte eine gewaltige Explosion den Nachtigallenweg in Borkheide (Potsdam-Mittelmark). Das war am 4. April 2005. "Das Haus rechts neben uns gab es nicht mehr", sagte der 40-jährige Mann gestern vor dem Landgericht in Potsdam. Aus den Trümmern schlugen meterhohe Flammen. Der Bewohner des Hauses habe die Explosion wie durch ein Wunder überlebt. Er sei aus dem Schuttberg gekrochen, schilderte der 40-jährige Zeuge.Der Hausbewohner, der das Unglück überlebte, heißt Harry K. Er ist 50 Jahre alt und von Beruf Gas-Wasser-Installateur. Die Narben der Verbrennungen, die er bei der Explosion davongetragen hatte, sieht man nicht mehr. Seit gestern sitzt der hagere Mann auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzliches Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Schon einmal sollte Harry K. der Prozess gemacht werden, doch das Verfahren platzte vor acht Monaten wegen eines Verfahrensfehlers.Laut Anklage soll Harry K. an jenem Apriltag gegen 12 Uhr in seinem Haus mit einer Rohrzange den Gaszähler abgeschraubt haben. Das ausströmende Gas entzündete er mit Hilfe eines Mikrowellen-Geräts. Offenbar aus Verzweiflung wollte er das Haus zerstören und sich dabei selbst umbringen. Seine Lebensgefährtin, mit der er drei Jahre zuvor das Haus gebaut hatte, hatte ihn Anfang 2005 verlassen. Nach Angaben der Staatsanwältin stand Harry K. bei der Tat unter Drogeneinfluss. Er habe wegen der Trennung von seiner Lebensgefährtin unter einer "Anpassungsstörung" gelitten und sei vermindert schuldfähig."Es war ein schrecklicher Anblick. Trümmer hingen in den Bäumen, vom Haus war nicht mehr viel zu sehen", erzählte Jürgen H. Der 46 Jahre alte Polizeibeamte der Wache in Belzig war an jenem Tag zum Unglücksort gerufen worden. H. sagte, die einstige Lebensgefährtin des Angeklagten habe geschockt am Wegrand gesessen. Petra V. war zusammengebrochen, als sie das zerstörte Haus sah.Der Polizeibeamte erinnerte sich vor Gericht, dass ihm Nachbarn am Tatort von Beziehungsproblemen zwischen Harry K. und Petra V. berichtet hätten. Die Lebensgefährtin von Harry K. soll kurz zuvor aus dem Haus ausgezogen sein. "Es wurde erzählt, dass die Zwangsversteigerung des Hauses bevorstand", sagte der Polizist. Durch die Wucht der Detonation waren zahlreiche Einfamilienhäuser in der Siedlung schwer beschädigt worden. Dächer wurden abgedeckt, Fenster barsten, die Wände bekamen Risse.Harry K. äußerte sich gestern nicht vor Gericht. Für den Prozess sind insgesamt Verhandlungstage vorgesehen. Unklar ist, ob das Urteil wie geplant am 29. November gesprochen werden kann. Olaf Klemke, der Anwalt von Harry K., stellte gestern bereits einige Anträge. Darunter wegen Befangenheit des Vorsitzenden und des beisitzenden Richters. Die Anträge wurden abgelehnt.------------------------------Foto : Ein Feuerwehrmann löscht nach der Gasexplosion den Brand in den Trümmern des Hauses in Borkheide.

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