Hauptgrund mildes Wetter Zentralbank erhöht Leitzins

Zahl der Arbeitslosen geht zurück

Stephan Kaufmann Matthias Loke
2 Min

BERLIN. Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich im November weiter leicht entspannt. Eine grundlegende Wende lässt nach Ansicht von unabhängigen Experten aber auf sich warten. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) gestern in Nürnberg mitteilte, sank die Zahl der Jobsuchenden gegenüber dem Vormonat um 25 000 auf 4,531 Millionen. Zum ersten Mal seit elf Jahren meldet die BA einen Rückgang in einem November."Damit hat sich die positive Entwicklung der vergangenen sechs Monate fortgesetzt", sagte BA-Vize Heinrich Alt. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosenzahl zwar um 274 000. Rechnet man den statistischen Effekt aus der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe von rund 340 000 Fällen heraus, so hätte der Wert jedoch sogar unter dem Vorjahresstand gelegen. Auch in Berlin und Brandenburg verbesserte sich die Lage am Arbeitsmarkt leicht.Zähltag vorverlegtAls Hauptgrund für den Rückgang nannte Alt die verhältnismäßig milde Witterung. Außerdem machte sich bemerkbar, dass der Zähltag auf Mitte November vorverlegt worden war. Für die Wintermonate müsse aber weiterhin befürchtet werden, dass die Zahl der Erwerbslosen wieder über die Fünf-Millionen-Marke steigt, sagte Alt.Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Jörg Krämer, sagte der Berliner Zeitung: "Man sollte den Rückgang der Arbeitslosenzahlen nicht überbewerten. Ich kann keine Trendwende erkennen." Wirklich relevant sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, und die sei immer noch rückläufig.Der Arbeitsmarktexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, Holger Schäfer, sagte: "Wir erwarten, dass es im kommenden Jahr weiter mit der Beschäftigung aufwärts geht. Ein wirklich deutlicher Abbau der Arbeitslosigkeit wird 2006 dennoch nicht zu erwarten sein."Unterdessen erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) gestern den Leitzins für die Euro-Zone. Ursache für die Entscheidung waren Sorgen über eine anziehende Inflationsrate. Volkswirte erwarten durch den Zinsschritt jedoch keine gravierenden Probleme für die europäische Konjunktur.Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 4, Wirtschaft Seite 9

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema