Haustier-Erziehung

Mein Hund zieht ständig an der Leine: Wie kann ich das ändern?

Wenn der Hund beim Gassigehen an der Leine zieht, überall schnuppert und markiert, kann das nerven. Wie Sie das in den Griff kriegen, verrät eine Hundetrainerin.

6 Min
Dass ein Hund gut an der Leine läuft, muss trainiert werden.

Dass ein Hund gut an der Leine läuft, muss trainiert werden.

© imago stock&people

Das Gassigehen mit dem Hund ist eigentlich eine tolle Sache: Bewegung an der frischen Luft, mal ohne Ablenkungen durch die Gegend spazieren, seinem Tier zuschauen, vielleicht mit anderen Herrchen oder Frauchen kurz quatschen. Wenn da nicht das ewige Ziehen an der Leine wäre.

Kennen Sie das? Der Hund zieht einmal hierhin, dann dorthin, mal bleibt er stehen, um zu schnuppern, dann markiert er alle paar Meter. Das kann das Gassigehen ziemlich anstrengend machen – im Übrigen auch für Ihren Hund.

Die Hundetrainerin Conny Sporrer hört die Klagen über das unentspannte Gassigehen sehr häufig. Aber sie weiß auch, wie man das relativ einfach in den Griff kriegt. Das Zauberwort lautet: Beziehung. „Natürlich stehen Sie in einer Beziehung zu Ihrem Hund, allerdings in keiner gleichberechtigten. Sie sind die Führungskraft“, sagt die Hundetrainerin. „Sie zeigen im wahrsten Sinne des Wortes, wo es langgeht.“

Das muss Ihr Hund akzeptieren (lernen), und das können Sie ihm beibringen. Erziehung funktioniert jedoch nur über Beziehung. Allein durch stramme Befehle oder wirsches Zurückzerren werden Sie kaum etwas erreichen. Sie geben zwar den Weg vor, sind Ihrem Hund aber immer liebevoll zugewandt.

Falls Sie einen Jagdhund haben, sollte Ihnen klar sein: „Der muss erstmal typgerecht beschäftigt werden. Powern Sie ihn also aus, bevor Sie gute Leinenführigkeit erwarten“, empfiehlt Conny Sporrer. „Andere Hunde wiederum ziehen aus territorialen Gründen, wollen die Lage abchecken und ziehen deswegen nach vorne.“

Zugleich ist das Ziehen an der Leine eine Art Prüfung an Sie als Herrchen oder Frauchen. „Der Hund testet, ob Sie sich verantwortlich fühlen und wie viele Entscheidungen er treffen kann“, weiß Conny Sporrer. Das ständige Ziehen kommt in der Folge zustande: „Der Hund hat gelernt, dass es funktioniert zu ziehen, weil der Mensch zu allermeist hinterher trottet“, weiß Conny Sporrer. „Das ist ein fataler Fehler, den man möglichst von Anfang an vermeiden sollte.“

Was tue ich, wenn der Hund ständig an der Leine zieht?

Machen Sie sich und dem Hund zunächst klar, dass Sie den Weg vorgeben, weil Sie verantwortlich sind und Vertrauen vermitteln wollen. Und das bedeutet in der Konsequenz: „Ihr Hund muss Ihnen folgen, und sich an Ihnen orientieren und nicht umgekehrt“, empfiehlt Sporrer. Das gilt für die gesamte Zeit des Gassigehens.

Konkret heißt das: „Wenn Ihr Hund stehen bleibt, weil er schnuppern will, gehen Sie ganz normal weiter, sodass er mitkommt“, so die Fachfrau. Natürlich darf er an einem vorgegebenen Ort auch mal schnuppern und sich lösen, ihm soll aber nicht vermittelt werden, alles selbst entscheiden zu können. „Der Hund muss sich an Ihnen orientieren, nicht Sie an ihm. Er muss nicht überall schnuppern.“

Gleiches gilt für das Markieren alle paar Meter. „Das ist nicht nötig. Gehen Sie einfach weiter und nehmen Sie ihn mit. Wenn Sie nämlich immer wieder stehen bleiben, nimmt der Hund an, dass das okay ist, und das wäre unfair, wenn man eine gute Leinenführigkeit vom Hund erwartet“, warnt die Expertin.

Wenn Ihr Hund einen anderen Hund sieht und losrennen möchte, an der Leine zerrt, sollten Sie ihn stoppen und nicht hinlassen. „Würden Sie es zulassen, lernt er, dass Ziehen sich lohnt, und es wird ganz normal für ihn, sich in Hundebegegnungen so zu verhalten. Eigentlich gehört es in die Kinderstube eines Hundes, dass er weiß, dass er nicht einfach so zu anderen Hunden laufen soll“, so Conny Sporrer.

Es geht also beim Laufen an der Leine um die gute Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Hund. Ihr Hund zieht mitunter, weil Sie ihn immer gelassen haben. Missfällt Ihnen das nun, müssen Sie anfangen, konsequent zu sein, stets klare Signale senden und von Anfang das Laufen an der Leine üben.

Üben Sie das zunächst zu Hause. Als Erstes definieren Sie für sich, wo Ihr Hund laufen soll: Direkt neben Ihnen? Oder darf er ein paar Schritte vorneweg laufen? Dementsprechend probieren Sie das Ganze in der Wohnung. Sie gehen, Ihr Hund folgt angeleint. Rennt er nicht davon, sondern wahrt den richtigen Abstand, gibt’s sofort nach ein, zwei Schritten ein Leckerli.

„So lernt Ihr Hund, aufmerksam zu bleiben“, weiß die Hundetrainerin. „Er muss verstehen, was er tun soll, denn Leinenführigkeit ist grundsätzlich unnatürlich für Hunde. Sie schaffen das, indem Sie es zeigen, knapp benennen und sodann belohnen. Verlässt der Hund die gewünschte Position, drehen Sie sich einfach von ihm weg und locken ihn wieder zu sich. Am Ende der Einheit sollte der Übungsmodus durch ein Signal ‚aufgelöst‘ werden.“

Nach und nach weiten Sie die zu laufende Strecke aus. Wenn das zu Hause gut klappt, gehen Sie ins Freie und üben dort an wenig belebten Wegen. Parallel können Sie die Befehle auch beim Gassigehen üben, jedoch sollten Sie hier anfänglich nicht zu viel erwarten, denn einerseits gibt es zu viele Versuchungen rundherum, und andererseits sind die alten Gewohnheiten hartnäckig. Sie trainieren ja gerade erst dagegen an.

Je nachdem, wie alt Ihr Hund ist und dementsprechend sein bisheriges Verhalten verinnerlicht hat beziehungsweise wie konsequent Sie nun mit ihm üben, könnten Sie schon nach ein paar Tagen einen Fortschritt bemerken. Achten Sie in jedem Fall darauf, nicht ungeduldig zu werden, falls es nicht so (schnell) klappt wie erhofft. Das würde Ihr Hund nicht verstehen.

Nutzen Sie erlernte Befehle („Bleib!“), die in der Fachsprache Signale genannt werden, und belohnen Sie Ihren Vierbeiner konsequent mit Leckerlis. Das fordert von Ihnen auch eine gewisse Konzentration, Sie müssen permanent bei der Sache sein und Ihre Aufmerksamkeit auf das Verhalten des Hundes richten. Jedes Mal, ohne Ausnahme. Sonst lernt er es nicht, weil er nicht versteht, warum die Regel einmal gilt und ein anderes Mal nicht.

Bleiben Sie stark! Versprochen: Der Lohn wird bald schon sein, dass Ihr Hund an lockerer Leine neben Ihnen läuft, ohne auszureißen oder an jeder Laterne stehen zu bleiben.

Conny Sporrer: So isser brav! Riva Verlag, 208 Seiten, 15 Euro

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de