Das australische Bundesgericht hat den Yindjibarndi, einer indigenen Gemeinschaft im abgelegenen Nordwesten Australiens, eine Entschädigung von 150,1 Millionen australischen Dollar (umgerechnet rund 108 Millionen US-Dollar) zugesprochen.
Wie die Australian Broadcasting Corporation (ABC) berichtet, ist es die höchste Entschädigung, die je indigenen Landrechteinhabern in Australien zugesprochen wurde. Der Bergbaukonzern Fortescue des Milliardärs Andrew Forrest hatte ohne Zustimmung der traditionellen Landeigner mehrere hundert Millionen Tonnen Eisenerz auf deren Gebiet abgebaut.
Bundesrichter Stephen Burley sprach laut ABC der Yindjibarndi Ngurra Aboriginal Corporation (YNAC) 150 Millionen Dollar für kulturellen Verlust sowie 150.000 Dollar für wirtschaftlichen Verlust zu. Burley stellte fest, dass die Yindjibarndi eine „tiefe und viszerale Verbindung“ zu ihrem Land hätten, die alle Lebensbereiche durchdringe. Innerhalb des Solomon-Hub-Bergbaugebiets seien 240 heilige Stätten für die Yindjibarndi unzugänglich geworden, 124 davon vollständig zerstört.
Die Yindjibarndi hatten ursprünglich 1,8 Milliarden Dollar gefordert, was laut BBC einem Prozent des Produktionswertgewinns der Minen sowie einer Entschädigung für rund 250 zerstörte Kulturstätten entsprechen sollte. Fortescue hingegen hielt 8,1 Millionen Dollar für ausreichend, wie die ABC berichtet.
Minen generieren zweistellige Milliardenumsätze
Der Rechtsstreit reicht laut BBC bis ins Jahr 2017 zurück, als die YNAC die exklusiven Native-Title-Rechte für ein 2700 Quadratkilometer großes Gebiet in der rohstoffreichen Pilbara-Region zugesprochen bekam. Fortescue hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahren seine Solomon-Hub-Minen auf dem Gebiet betrieben – mit Genehmigung der Regierung und einer anderen lokalen Aborigine-Vertretung, jedoch nicht der YNAC. Seit 2013 generierten die Minen laut BBC zweistellige Milliardenumsätze.
Mehrere Älteste zeigten sich gegenüber ABC enttäuscht. Die Yindjibarndi-Älteste Wendy Hubert bezeichnete die Summe als „Peanuts“ im Vergleich zu den Milliardengewinnen des Konzerns. Judith Coppin verwies darauf, dass viele Älteste während des über 20-jährigen Rechtsstreits verstorben seien. YNAC-Geschäftsführer Michael Woodley deutete laut ABC eine mögliche Berufung an: „Wir kommen nicht so weit und hören dann auf. Wir werden es prüfen, wir werden es bekämpfen.“ Dennoch sei das Urteil ein „Sieg für die First Nations“.
Anders als im Fall der McArthur-River-Mine im Northern Territory, wo die Regierung im Februar zu 54 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt wurde, müssen die Steuerzahler Westaustraliens keinen Anteil an der Zahlung tragen. Ein Fortescue-Sprecher erklärte gegenüber der ABC, Andrew Forrest sorge sich „zutiefst um alle First Nations“ und das Unternehmen akzeptiere den Anspruch der Yindjibarndi auf Entschädigung. Die Solomon-Hub-Minen sollen laut BBC noch bis Mitte der 2040er-Jahre in Betrieb bleiben.
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