Alfred Gíslason konnte nicht genug bekommen. Zwei Stunden lang scheuchte der Bundestrainer seine Handballer durch das Fußballstadion. Die Vorfreude auf das Weltrekordspiel zum Start der Medaillen-Jagd bei der Heim-EM wuchs beim Training in der gigantischen Arena. „Ich glaube, es wird überwältigend, wenn wir hier einlaufen und die Nationalhymne gespielt wird“, sagte Kapitän Johannes Golla. Und Gíslason meinte: „Das wird die Mannschaft beflügeln und nach vorn pushen. Wir hoffen auf eine richtig schöne Atmosphäre.“
Nicht bloß emotional hat die knifflige Aufgabe am Mittwoch (20.45 Uhr, ZDF und Dyn) gegen die Schweiz herausragenden Charakter. Gíslason und sein Team wollen mit einem Auftaktsieg vor 53.000 Fans in Düsseldorf und Millionen vor den Fernsehern eine Handball-Euphorie im Land auslösen. Ähnlich wie 2007, als das Wintermärchen gelang. „Zu Hause ist vieles möglich. Wenn so eine Stimmung und Euphorie aufkommt wie damals, können wir wirklich träumen“, sagte Gíslason: „Aber der Weg ist ziemlich steinig.“
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Torhüter Andreas Wolff will nach den Sternen greifen
Vor der ersten Europameisterschaft auf deutschem Boden werden nicht bloß beim DHB-Coach Hoffnungen auf einen erneuten Höhenflug geweckt. „Ich bin der Meinung, dass du groß träumen musst. Du kannst nicht nach den Sternen greifen, wenn du denkst, der Himmel ist die Grenze“, sagte Torhüter Andreas Wolff und fand damit die perfekten Worte für die Sehnsucht einer ganzen Sportart. 17 Jahre nach dem legendären Gold-Triumph von Köln ist es an der Zeit für eine neue Sternstunde vor heimischem Publikum.
„Mein Ziel ist es ganz klar, dass wir eine fantastische Heim-EM spielen, die optimalerweise im EM-Titel gipfelt“, sagte Wolff, einer von vier verbliebenen 2016-Europameistern im deutschen Team. Und selbst beim bislang so beherrschten Verband war es am Tag vor dem EM-Auftakt mit der Zurückhaltung vorbei. „Das Ziel Halbfinale steht fest, da brauchen wir nicht drumherumreden“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann: „Das muss unser Anspruch sein. Bei einer Heim-EM erst recht. Unsere Mannschaft macht einen guten Eindruck, ich freue mich auf ein tolles Handball-Fest.“
Damit die Euphorie nicht schnell Ernüchterung weicht, gilt Gíslasons volle Konzentration dem wegweisenden Duell mit der Schweiz, ehe am 14. und 16. Januar in Berlin die Partien gegen Nordmazedonien und Frankreich anstehen. Das Team um die 40 Jahre alte Bundesliga-Ikone Andy Schmid soll nicht zum Partycrasher werden. Wolff warnt: „Die Schweiz ist alles andere als ein Selbstläufer.“
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