Russland

Heineken verkauft Russland-Geschäft für einen Euro: Profitieren deutsche Brauer?

Der niederländische Bierkonzern wird seine sieben Standorte in Russland los – für einen Euro. Werden deutsche Brauer jetzt noch mehr Bier nach Russland liefern?

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März 2022: Die Heineken-Brauerei im winterlichen Jekaterinburg. Bier unter der Heineken-eigenen Marke Amstel soll das nächste halbe Jahr weiter produziert werden.

März 2022: Die Heineken-Brauerei im winterlichen Jekaterinburg. Bier unter der Heineken-eigenen Marke Amstel soll das nächste halbe Jahr weiter produziert werden.

© ITAR-TASS/imago

Die zweitgrößte Brauerei der Welt, Heineken, hat nach anderthalb Jahren der russischen Invasion der Ukraine endlich alle seine russischen Vermögenswerte verkauft. Darüber berichtet der niederländische Konzern am Freitag. 

Das Heikle daran: Der Verkaufspreis beträgt nach Angaben des Unternehmens nur einen Euro. Der neue Eigentümer, die russische Arnest Group, hat dabei nichts mit Bierbrauen zu tun. Das Unternehmen mit Sitz in der Region Stawropol in Südrussland stellt Haarprodukte, Lufterfrischer, Giftstoffe zur Insektenabwehr, Schuhcreme und Deodorants her und ist damit der führende Produzent von Haushaltsprodukten in Aerosolverpackungen in Russland und den GUS-Staaten. Es bekommt nach dem Deal vor allem sieben Heineken-Brauereien, unter anderem in St. Petersburg, Nowosibirsk und Nischni Nowgorod, in denen Heineken trotz des Ukraine-Krieges weiterhin Bier unter den lokalen russischen Marken hergestellt hat: Lediglich das Bier unter der eigenen Marke Heineken wollte der Konzern seit März 2022 nicht mehr produzieren.

Heineken verkauft sieben Brauereien in Russland – ohne Rückkaufsrecht

Der Deal sieht vor, dass die sieben Brauereien in den nächsten sechs Monaten weiterhin Bier unter der Heineken-eigenen Marke Amstel produzieren werden. Auch rund 1800 Mitarbeiter dürfen in den nächsten drei Jahren nicht entlassen werden. Der Käufer darf zudem für weitere drei Jahre die Lizenzen zur Produktion einer Reihe regionaler Marken behalten, die notwendig sind, „um die Geschäftskontinuität und die Genehmigung des Deals sicherzustellen“. Heineken selbst werde diese Marken jedoch nicht selbst unterstützen und keine Einnahmen, Lizenzgebühren oder Dividenden aus Russland erhalten, heißt es.

Man schätzt, dass der Deal zu einem Gesamtverlust von 300 Millionen Euro führen wird. Die Vereinbarung sieht – anders als zum Beispiel bei den verkauften Mercedes-Benz- und Bosch-Werken in Russland – kein Rückkaufsrecht vor. Der Käufer verpflichtet sich zudem, die Schulden der russischen Geschäftspartner in Höhe von rund 100 Millionen Euro gegenüber Heineken in Raten zurückzuzahlen. „Obwohl es viel länger gedauert hat, als wir gehofft hatten, sichert diese Transaktion den Lebensunterhalt unserer Mitarbeiter und ermöglicht uns einen verantwortungsvollen Rückzug“, erklärte der Heineken-Chef Dolf van den Brink.

Trotz Ukraine-Krieg: Deutschland bleibt Russlands Bierlieferant Nummer eins

Mit dem Rückzug eines großen Players wie Heineken aus Russland bieten sich neue Möglichkeiten für einheimische sowie ausländische Brauereien, die trotz des Ukraine-Krieges weiterhin mit Russland handeln. Denn Bier ist nicht von den Sanktionen betroffen. Hersteller aus den USA, Großbritannien und Kanada haben ihre Lieferungen nach Russland zwar bereits eingestellt, doch die Lieferungen aus Belgien etwa in den ersten Monaten dieses Jahres haben sich nach Angaben der russischen Importeure auf 19 Millionen Liter verdoppelt, und die aus Tschechien sind um drei Prozent auf 19 Millionen Liter gestiegen. Mehr als verdoppelt haben sich auch die Importe aus China, und zwar auf 8,4 Millionen Liter.

Doch Russlands Bierlieferant Nummer eins heißt nach wie vor Deutschland. Mehr noch: Deutsche Bierhersteller haben im ersten Halbjahr 2023 ihre Lieferungen nach Russland im Vergleich zum letzten Jahr um 46,4 Prozent offenbar auf rund 103 Millionen Liter erhöht. Das sind 58 Prozent der gesamten russischen Bierimporte, wie die die russische Zeitung Kommersant unter Berufung auf Daten der russischen Marktteilnehmer berichtete. Das Interesse der Russen an deutschem Bier wird grundsätzlich damit erklärt, dass es mit hoher Qualität assoziiert wird. Es ist also gut vorstellbar, dass deutsche Brauer ihren Marktanteil künftig noch vergrößern werden.  

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